Der große Irrtum der Future Skills

Entdecke mit "MindShift" wöchentlich aktuelle Forschungsergebnisse, um für die Herausforderungen der Zukunft gerüstet zu sein.

Mit einem neuen wöchentlichen Podcast namens Mindshift: Dein Update für die Zukunft möchte ich aktuelle wissenschaftliche Forschungen für die persönliche Weiterentwicklung kurz zusammenfassen, um interessierten Personen eine Orientierung zu bieten.

Die Beschreibung lautet wie folgt:

Arbeit. Leben. Wandel. In ‘MindShift’ beleuchten wir, wie Du den Herausforderungen der Zukunft begegnen kannst – mit wissenschaftlichem Know-how, den sogenannten “Future Skills” und einem starken Fokus auf Persönlichkeitsentwicklung. Für alle, die nicht nur mitreden, sondern mitgestalten wollen. Jeden Montag ab 6:30 Uhr erscheint eine neue Folge mit wissenschaftlich fundierten Insights und Denkanstößen. Hör rein und starte Dein Update!

Folge 1

Beschreibung

In dieser Folge tauchen wir ein in ein weitverbreitetes Missverständnis der modernen Arbeitswelt: Die Verwechslung von erlernbaren Fähigkeiten mit Persönlichkeitseigenschaften.

Wir erklären, warum Veränderungsbereitschaft, Resilienz und Co. keine “Skills” sind, die man einfach trainieren kann, und was das für Unternehmen und Bildungseinrichtungen bedeutet.

Eine kritische Auseinandersetzung mit dem Trend zu “Persönlichkeitstrainings” und der Rolle von Hochschulen in der Kompetenzentwicklung.

Shownotes

Die Inhalte basieren primär auf diesem wissenschaftlichen Artikel von Manuel Pietzonka: Persönlichkeitseigenschaften als Lernziele und Future Skills? Der problematische Trend von Kompetenzen zu dispositionalen Eigenschaften, September 2024, IN: Kompetenzen für die Arbeitswelten der Zukunft (Researchgate)

Von mir auf dem CoLearn-Blog zusammengefasst – mit Blick auf Unternehmen.

Transkript

Willkommen zur ersten Folge von Mindshift! Heute sprechen wir über einen spannenden Trend in der Arbeitswelt, der uns alle betrifft – und warum wir dabei einem großen Missverständnis aufsitzen: Persönlichkeitstrainings. 

Sie versprechen, uns selbstbewusster, resilienter oder sogar empathischer zu machen. Aber wie viel davon ist wirklich machbar – und wo stoßen solche Trainings an ihre Grenzen? Bleibt dran, denn am Ende verrate ich Dir praktische Tipps, wie Du Dich trotz allem sinnvoll weiterentwickeln kannst!

In den letzten zehn Jahren hat sich in Unternehmen ein interessanter Wandel vollzogen: Statt nach klassischen Kompetenzen suchen sie verstärkt nach Menschen mit bestimmten Persönlichkeitseigenschaften. Die Stars der modernen Arbeitswelt sind:

  • Menschen, die gut mit Veränderungen umgehen können
  • Technikaffine Persönlichkeiten
  • Resiliente Charaktere
  • Menschen, die gut mit Mehrdeutigkeit umgehen können
  • Personen mit hoher Diversitätsakzeptanz

Hier kommt der Knackpunkt: Diese Eigenschaften werden häufig als ‘Future Skills’ oder ‘Soft Skills’ bezeichnet. Das suggeriert, man könnte sie wie Excel oder PowerPoint einfach erlernen. Doch das ist ein fataler Irrtum – denn es handelt sich um Persönlichkeitsmerkmale, die sich durch ein Wochenendseminar oder Hochschulmodul nicht grundlegend verändern lassen.

Das führt zu einer paradoxen Situation: Unternehmen suchen nach Persönlichkeitsmerkmalen, die Hochschulen oder andere Ausbildungsstätten gar nicht vermitteln können. Gleichzeitig versprechen Bildungseinrichtungen genau diese Vermittlung in ihren Modulbeschreibungen. Ein klassischer Fall von gut gemeint, aber schlecht gemacht.

Was bedeutet das für uns? Vielleicht sollten wir ehrlicher sein: Statt von erlernbaren ‘Skills’ zu sprechen, sollten wir anerkennen, dass bestimmte Eigenschaften Teil unserer Persönlichkeit sind. Das macht sie nicht weniger wertvoll – aber es macht deutlich, dass wir realistischer an ihre Entwicklung herangehen müssen.

Lass uns erstmal klären, was Persönlichkeit eigentlich ist. Unsere Persönlichkeit besteht aus relativ stabilen Eigenschaften – auch Traits genannt – wie Offenheit, Gewissenhaftigkeit oder Resilienz. Sie entwickeln sich über Jahre hinweg durch Erfahrungen, Erziehung und sogar genetische Veranlagung.

Viele Persönlichkeitstrainings versprechen, genau diese Eigenschaften verändern zu können. Aber das ist schwierig, denn Persönlichkeit ist wie das Fundament eines Hauses. Du kannst die Farbe der Wände ändern – also Dein Verhalten oder Deine Kompetenzen – aber das Fundament bleibt stabil. Studien zeigen, dass sich Traits nur über lange Zeiträume hinweg und durch sehr intensive Erfahrungen verändern. Ein Wochenendkurs kann das nicht leisten.

„Es ist nicht so, dass Persönlichkeit nicht veränderbar ist. Aber diese Veränderung passiert meistens nicht durch Workshops, sondern durch tiefgreifende Erlebnisse oder längere Entwicklungsprozesse.“

Woran liegt es, dass Persönlichkeitstrainings oft nicht halten, was sie versprechen? Das Hauptproblem ist, dass sie uns kurzfristig motivieren können, aber selten zu nachhaltigen Veränderungen führen. Wenn wir uns zum Beispiel in einem Resilienztraining mit Stressbewältigung beschäftigen, kann das helfen, ein paar Techniken kennenzulernen. Aber es verändert nicht automatisch unsere innere Widerstandsfähigkeit.

Ein weiteres Problem: Persönlichkeitstrainings suggerieren oft, dass es ‘richtig’ oder ‘falsch’ in der Persönlichkeit gibt – und dass wir uns an ein Ideal anpassen müssen. Dabei geht es nicht darum, perfekt zu sein, sondern unsere Stärken zu nutzen und mit Schwächen authentisch umzugehen.

Die gute Nachricht: Persönlichkeitsentwicklung ist möglich, auch wenn sie Zeit und Geduld braucht. Hier sind drei Ansätze, die wirklich helfen:

Selbstreflexion: Nimm Dir regelmäßig Zeit, um über Deine Erfahrungen, Entscheidungen und Gefühle nachzudenken. Journaling oder Gespräche mit Freundinnen oder Mentorinnen können dabei helfen.

Neue Erfahrungen machen: Intensive Erlebnisse wie Auslandsaufenthalte, ehrenamtliches Engagement oder berufliche Herausforderungen sind echte Booster für Deine Entwicklung.

Gezielte Kompetenzen aufbauen: Anstatt Deine Persönlichkeit komplett ändern zu wollen, kannst Du gezielt an Fähigkeiten arbeiten. Beispiel: Wenn Du an Deiner Kommunikationsfähigkeit feilen möchtest, kannst Du Kurse besuchen oder direkt im Alltag üben.

Das Wichtigste: Sei geduldig mit Dir selbst. Veränderungen kommen oft in kleinen Schritten.

Zusammengefasst: Persönlichkeitstrainings können Dir vielleicht Denkanstöße geben, aber wahre Veränderungen brauchen Zeit, Praxis und oft auch neue Erfahrungen. Statt zu versuchen, Dich grundlegend zu verändern, setze lieber auf Deine Stärken und entwickle konkrete Kompetenzen weiter.

Ich hoffe, diese Folge hat Dir geholfen, realistischer auf das Thema Persönlichkeitsentwicklung zu schauen. Wenn Du Fragen oder eigene Erfahrungen hast, schreib uns gerne oder teile die Episode mit Freund*innen, die sich für das Thema interessieren. Danke fürs Zuhören und bis zur nächsten Folge!“

Das war Mindshift, Dein Update für die Zukunft. Abonniere unseren Podcast, um keine Folge zu verpassen, und lass uns eine Bewertung da. Bis bald und bleib neugierig!

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