Anfang November feierte das FrauenComputerZentrumBerlin e.V. (FCZB) seinen 40. Geburtstag 🥳 – und FROLLEINFLOW war eingeladen. Dazu gibt es hier eine schöne Kampagnenseite und hier eine Zusammenfassung der Veranstaltung.
Ich gab im Rahmen der Podiumsdiskussion zu Beginn einige Impulse. Die Einstiegsfrage von Duscha Rosen lautete für mich: Wie verändern aus deiner Sicht der seit Corona beschleunigte Schub digitaler Vernetzung und Online-Zusammenarbeit einerseits und die schnelle Ausbreitung von Anwendungen generativer KI andererseits schon jetzt und zukünftig Berufs- und Tätigkeitsfelder und Arbeitsplätze von Frauen in Berlin?
Dazu führe ich weiter unten meine Vorüberlegungen etwas aus.
Im Laufe des Nachmittags folgten weitere Talks und Inspirationen, die aus feministischer Sicht auf das Schwerpunktthema KI und Frauen am Arbeitsmarkt blickten. Im gerade erschienenen Newsletter FCZB wird dazu abschließend angeführt:
All diese ermutigenden Beispiele stärken Anja Wagners eindringliches Plädoyer dafür, dass wir uns mit KI auseinandersetzen müssen: “Künstliche Intelligenz ist die aktuelle Basisinnovation, die unsere Volkswirtschaft grundlegend verändern wird – sowohl zum Guten als auch zum Schlechten. Die Marktkräfte werden KI in alle gesellschaftlichen Bereiche reintreiben, keine Branche wird davon ausgenommen sein. Es wird nicht möglich sein, zu sagen: ‚Ich gehe dahin, wo ich keine Berührungspunkte damit habe’. Ja, KI ist eine autoritäre, machtvolle Technologie. Aber wir haben in meinen Augen keine andere Wahl, als sie mitzugestalten. Das ist die einzige Möglichkeit, die wir haben, um Einfluss auf die Entwicklung zu nehmen und nicht nur passiv zuzusehen, wie sich diese Technologie in allen Lebensbereichen ausbreitet. Frauen müssen in die KI-Entwicklung einsteigen, um sie aktiv mitzugestalten.”
Das wollte ich euch hier nicht vorenthalten, weil es aus meiner Sicht nicht häufig genug betont werden kann: Beschäftigt Euch mit den aktuellen Entwicklungen! Es führt kein Weg daran vorbei.
Speziell für MultiplikatorInnen und Learning Professionals angelegt auf dem KI Campus.
Zum Wandel des Arbeitsmarktes in Berlin
Zur oben angeführten Frage, was sich durch KI am Arbeitsmarkt für Frauen in Berlin verändern könnte, hatte ich in der Vorbereitung verschiedene Überlegungen gedanklich durchgespielt. Und natürlich auch die KI befragt.
Prekariatspotenzial und Chancen der Weiterbildung
Nach einigem Hin-und-her hatte ich folgende Tabelle mit beruflichen Aussichten und empfohlenen Weiterbildungsmöglichkeiten für die in den jeweiligen Branchen beschäftigten Frauen entwickelt, die einen guten Überblick für den Berliner Arbeitsmarkt ermöglicht.
Ihr könnt in der Tabelle nach rechts scrollen
| Branche | Anteil der erwerbstätigen Frauen | Beispiele für Positionen | Aktuelles Prekariat | Zukünftiges Prekariat | Erforderlichkeit von Weiterbildung durch KI | Berufliche Aussichten und empfohlene Weiterbildungen |
|---|---|---|---|---|---|---|
| Gesundheits- und Sozialwesen | 29,0 % | Pflegekräfte, ErzieherInnen, SozialarbeiterInnen | Mittel bis hoch | Mittel bis hoch | Hoch (z.B. Automatisierung von Routinen, Einsatz von KI für Diagnostik und Betreuung) | Aussichten: Hohe Nachfrage durch demografischen Wandel. Weiterbildung: Umgang mit KI-gestützten Pflegetechnologien, Telemedizin, Robotik in der Pflege. |
| Handel (Einzel- und Großhandel) | 15,0 % | VerkäuferInnen, KassiererInnen, FilialleiterInnen | Mittel bis hoch | Mittel bis hoch | Hoch (Automatisierung durch Self-Service und KI-basierte Kundensysteme) | Aussichten: Mehr Automatisierung, weniger manuelle Tätigkeiten. Weiterbildung: E-Commerce, Kundenmanagementsysteme (CRM), Datenanalyse im Handel. |
| Bildung und Erziehung | 13,0 % | LehrerInnen, DozentInnen, PädagogInnen | Niedrig bis mittel | Niedrig bis mittel | Mittel (KI-gestützte Lernplattformen, personalisierte Lernmethoden) | Aussichten: Bedarf an Fachkräften bleibt hoch, besonders mit digitalen Kompetenzen. Weiterbildung: Nutzung von E-Learning-Tools, personalisierte KI-Lernsysteme, digitale Didaktik. |
| Öffentliche Verwaltung, Verteidigung, Sozialversicherung | 10,0 % | Verwaltungsangestellte, SachbearbeiterInnen | Niedrig | Niedrig | Mittel (Automatisierung von Verwaltungsprozessen, Chatbots, Datenanalyse) | Aussichten: Stabile Positionen, aber zunehmende Digitalisierung. Weiterbildung: E-Government, Nutzung von Automatisierungstools, Datenmanagement, Cybersecurity. |
| Gastgewerbe | 8,0 % | Servicekräfte, Köche, Hotelangestellte | Hoch | Hoch | Hoch (Automatisierte Systeme für Buchung und Service, KI in Kundeninteraktionen) | Aussichten: Verstärkte Automatisierung in einfachen Tätigkeiten. Weiterbildung: Digitale Buchungssysteme, KI-gestützte Kundenkommunikation, Hotelmanagement. |
| Kreativwirtschaft | 7,0 % | KünstlerInnen, DesignerInnen, JournalistInnen | Hoch | Hoch | Hoch (KI-gestützte Kreation von Inhalten, Automatisierung von Routineaufgaben in der Kunst) | Aussichten: Kreative Berufe werden transformiert, aber KI wird als Werkzeug eingesetzt. Weiterbildung: Nutzung von KI für kreative Prozesse, digitale Kunst, multimediale Projekte. |
| Verwaltung und Büro | 6,0 % | SekretärInnen, SachbearbeiterInnen, Verwaltungsangestellte | Niedrig bis mittel | Mittel | Mittel bis Hoch (Einsatz von KI für Prozessautomatisierung, Datenanalyse, KI-gestützte Verwaltungssysteme) | Aussichten: Automatisierung entlastet Routineaufgaben. Weiterbildung: Prozessmanagement, digitale Verwaltung, Umgang mit KI-Tools in der Büroorganisation. |
| IT und Technik | 5,0 % | SoftwareentwicklerInnen, SystemadministratorInnen | Niedrig | Niedrig | Hoch (Kontinuierliche Weiterbildung in KI-Entwicklung und Implementierung erforderlich) | Aussichten: Sehr gute Aussichten in einem wachstumsstarken Sektor. Weiterbildung: KI-Entwicklung, maschinelles Lernen, Datenwissenschaft, Automatisierungstechnologien. |
| Industrie und Handwerk | 4,0 % | ProduktionsmitarbeiterInnen, TechnikerInnen | Mittel | Mittel bis hoch | Hoch (Automatisierung und Einsatz von Robotik, KI-basierte Produktionsprozesse) | Aussichten: Automatisierung ersetzt teilweise manuelle Tätigkeiten. Weiterbildung: Robotik, industrielle KI-Anwendungen, technisches Prozessmanagement. |
| Sonstige Dienstleistungen | 3,0 % | FriseurInnen, KosmetikerInnen, Reinigungskräfte | Hoch | Hoch | Mittel (Automatisierung von Routineaufgaben, z.B. Reinigungsroboter) | Aussichten: Starker Automatisierungsdruck. Weiterbildung: Digitale Service-Angebote, Umgang mit automatisierten Systemen, Kundenmanagement im digitalen Zeitalter. |
Welche Branchen sind besonders betroffen?
Die Frage von Duscha lautete: In welchen Branchen, in denen v.a. Frauen arbeiten, fallen ganze Berufe weg und wo verändern sich Tätigkeiten und Arbeitsabläufe in einem Beruf, was wird da neu und gefragt sein?
1. Branchen mit Wegfall von Berufen durch KI und Automatisierung
- Einzelhandel:
- Automatisierung durch Self-Checkout-Systeme und KI-basierte Kundendienst-Tools.
- Geringere Nachfrage nach KassiererInnen und VerkäuferInnen.
- Gastgewerbe:
- Einführung von digitalen Bestellsystemen und automatisierten Küchenprozessen.
- Weniger Bedarf an Servicekräften in einfachen, wiederholbaren Tätigkeiten.
- Kreativwirtschaft:
- KI generiert bereits Content, der DesignerInnen und JournalistInnen entlastet, aber auch ersetzt.
- Routineaufgaben wie Layouts und Content-Erstellung zunehmend automatisiert.
2. Branchen mit veränderten Tätigkeiten und neuen Anforderungen
- Gesundheitswesen:
- Digitale Patientenakten, Diagnosetools und KI-gestützte Assistenzsysteme.
- Pflegekräfte brauchen digitale Kompetenzen für die Bedienung neuer Technologien und Telemedizin.
- Bildung und Erziehung:
- Digitale Lernplattformen und personalisierte, KI-gestützte Lehrmethoden.
- PädagogInnen benötigen Kompetenzen im digitalen Unterricht und Umgang mit Lernsoftware.
- Mehr Hilfe zur Selbsthilfe für selbstgesteuertes Lernen.
- Verwaltung und Büro:
- Automatisierung durch Prozessmanagement-Tools und KI-gestützte Analyse-Software.
- SekretärInnen und Verwaltungsangestellte werden stärker in Datenmanagement und digitale Verwaltung einbezogen.
3. Zukunftstrends und gefragte Fähigkeiten
- Daten- und KI-Kompetenz:
- Grundkenntnisse in Datenanalyse und Umgang mit KI-gestützten Systemen.
- Technologische Flexibilität:
- Bereitschaft, sich in neuen digitalen Tools einzuarbeiten.
- Interdisziplinäre Fähigkeiten:
- Kombination von digitalen und kommunikativen Skills, besonders in kunden- oder patientennahen Berufen.
Alle Branchen benötigen KI-Weiterbildungen!
- Gesundheitswesen: Digitale Pflege- und Telemedizin-Technologien.
- Handel: E-Commerce und KI-gestützte Kundeninteraktionen.
- Bildung: E-Learning und personalisierte KI-Lernplattformen.
- Öffentliche Verwaltung: E-Government und Automatisierungstools.
- Gastgewerbe: Digitale Kundenkommunikation und Hotelmanagement.
- Kreativwirtschaft: KI-basierte Kreativtechnologien und digitale Kunst.
- Verwaltung und Büro: Prozessmanagement und digitale Organisationstools.
- IT und Technik: Fortbildung in KI-Entwicklung und maschinellem Lernen.
- Industrie und Handwerk: Robotik und industrielle KI-Anwendungen.
- Sonstige Dienstleistungen: Digitale Service-Innovationen und Automatisierung.
