KI-Lernassistenten, VR-Onboarding, neue Learning Experience Plattformen und Future Skills: Wenn wir im Corporate Learning zusammenkommen, reden wir am liebsten über das Neue. Wir lieben Innovationen. Tatsächlich leiden wir in der Weiterbildung – wie fast alle gesellschaftlichen Bereiche – unter einem massiven „Pro-Innovation Bias“.
Wenn wir vor Herausforderungen stehen, ist unser Standardmodus das sogenannte „additive Denken“: Wir neigen systematisch dazu, Lösungsstrategien zu wählen, bei denen wir einer Situation etwas hinzufügen (ein neues Tool, einen neuen Kurs, eine neue Regel). Dass die Lösung auch im Subtraktiven – also im gezielten Weglassen – liegen könnte, übersehen wir oft völlig.
Das Resultat? Unsere Lernökosysteme platzen aus allen Nähten. Es entstehen unübersichtliche Parallelstrukturen, weil wir ständig Neues aufbauen, das Alte aber parallel weiterpflegen. Wir muten den Mitarbeitenden und uns selbst immer mehr zu, ohne Raum für dieses Neue zu schaffen.
Zeit, die unbekannte Schwester der Innovation kennenzulernen: Exnovation.
Exnovation ist der absichtsvolle, strategische Prozess, in dem überholte Praktiken, Technologien oder Strukturen gezielt reduziert und zurückgenommen werden. Es geht um das bewusste Aufhören.
Klingt eigentlich logisch und einfach. Aber warum fällt uns das in der (Weiter-)Bildungspraxis so unendlich schwer?
Weil Aufräumen weh tut. Psychologisch betrachtet kämpfen wir bei der Exnovation gegen den „Endowment-Effekt“ (Besitztumseffekt) und unsere angeborene Verlustaversion: Wir bewerten Dinge, in die wir viel Zeit, Herzblut und Budget gesteckt haben, automatisch höher. Die Abschaffung eines jahrelang gepflegten, etablierten Führungskräftetrainings fühlt sich an wie ein schmerzhafter Verlust, ein Abstieg oder gar ein Scheitern. Trauer ist ein langsames Gefühl, für das es im durchgetakteten Unternehmensalltag kaum Platz gibt.
Deshalb habe ich mich entschieden, dem Thema Exnovation in der Weiterbildung in diesem Jahr etwas mehr Zeit zu widmen. Den Startpunkt setze ich auf dem CLCamp 2026 in Hamburg am 12./13. März 2026.
Was euch in der Session auf dem CLCamp erwartet
Lasst uns diesen blinden Fleck gemeinsam ausleuchten. In unserer Session werden wir nicht über das nächste heiße EdTech-Tool sprechen. Wir werden uns der emotionalen Schwerstarbeit des Loslassens widmen.
Dafür bringen wir zwei Ansätze mit, die helfen, diesen Schmerz produktiv zu nutzen:
- Kill your darlings: Wir werfen einen radikalen, vielleicht etwas schmerzhaften Blick auf unser eigenes Portfolio und trennen uns nicht nur von Offensichtlichem, sondern von den Dingen, die wir eigentlich lieben.
- Der Ideenfriedhof: Weil ein Abschied gewürdigt werden muss, schaffen wir – inspiriert von Vorreitern wie dem Schokoladenhersteller Zotter – einen Ort für das gute Beenden.
Bringt also eure heimlichen Altlasten, eure überholten Lieblingskurse und eure starren Zertifikatslogiken mit. Es wird emotional, es wird befreiend und es schafft endlich wieder Luft zum Atmen.
Wir freuen uns auf euch!
