Zwischen Aufbruch und Ernüchterung: Was zwei Tage CLCamp26 über den Zustand der Weiterbildung erzählen

Zwei Tage. Volle Räume. Volle Köpfe. Und ein Gefühl, das sich irgendwo zwischen Aufbruchstimmung und kollektiver Erschöpfung bewegt.

Das Wichtigste passiert auf den Fluren

Wie immer waren nicht die Sessions das Herzstück, sondern das, was davor, danach und dazwischen passierte. Die Gespräche in den Fluren, an den Esstischen – das Essen war übrigens wirklich gut – und beim Kaffee oder Wein. Dort entsteht das echte Bild: Was bewegt die Menschen gerade? Was beschäftigt sie wirklich? Welche Themen fühlen sich aktuell und drängend an?

KI natürlich. Immer wieder KI. Aber nicht als abstraktes Zukunftsszenario, sondern als etwas, das bereits heute die Arbeit verändert – und damit auch die Frage aufwirft, was Weiterbildung und Personalentwicklung überhaupt noch bedeutet.

Die Fortschrittlichen als Frühwarnsystem

Wer zum CLCamp kommt, ist nicht repräsentativ für die Personalbranche — und das ist gut so. Hier treffen sich die Neugierigen, die Experimentierfreudigen, die Menschen, die die Entwicklung nicht abwarten, sondern aktiv mitgestalten wollen. Die Fortschrittlichen, wenn man so will.

Und genau deshalb ist es bemerkenswert, was man in diesen Gesprächen spürt: Unsicherheit. Nicht die lähmende Art, sondern die ehrliche. Man sucht nach Möglichkeiten, wie wir als Gesellschaft vorankommen — und ganz zwangsläufig auch: wo der eigene Platz darin sein könnte.

Denn diese Gruppe — so progressiv sie ist — spürt die Zeichen der Zeit als erste. Und die Zeichen sind gerade nicht besonders aufmunternd. 

Eine Branche, die leidet — obwohl alle Welt Weiterbildung fordert

Man muss es so klar sagen: Die Weiterbildungsbranche leidet. Und das ausgerechnet in einem Moment, in dem alle Welt — Wirtschaft, Politik, Gesellschaft — von Menschen lebenslanges Lernen einfordert.

Wo wird in Unternehmen zuerst gespart, wenn es eng wird? In der Weiterbildung. Und wer trifft die Entscheidungen darüber? Oft Menschen, die selbst nicht an der Front moderner Bildungspraxis stehen — und die ein Bildungsverständnis mitbringen, das die Entwicklungen der letzten Jahre schlicht nicht widerspiegelt.

Das Ergebnis: Die Fortschrittlichsten sind am stärksten betroffen. Wer das Neue wagt, wer Formate und Szenarien entwickelt, die wirklich für das KI-Zeitalter taugen — der steht oft mit leeren Händen da.

Das System versagt — strukturell, nicht nur finanziell

Der Staat hätte hier eine Aufgabe. Erfüllt er aber nicht. Staatliche Förderstrukturen hinken seit Jahren hinterher — und das Bild, das in den Medien gezeichnet wird, ist verzerrt. Ja, es gibt schwarze Schafe in der Branche. Darüber wird ausführlich berichtet.

Aber die weißen Schafe? Die darben still. Sie ersticken an chronischer Unterfinanzierung, an Anreizsystemen, die das Falsche belohnen, an einer Bürokratie, die mit Echtzeitkommunikation den echten Lernbedarfen begegnen will und damit strukturell scheitern muss. Und das Fatale: Es leiden genau diejenigen, die wirklich etwas bewegen könnten, weil sie intrinsisch motiviert sind. Genau diese Leute bräuchten wir ja jetzt an diversen Stellen, aber sie werden systematisch ausgebremst.

Es wird zur handfesten Farce, wenn ich höre, was in öffentlich finanzierten Weiterbildungen weiterhin passiert: überdimensionierte Verwaltungsapparate, während Trainer:innen an der Front unterbezahlt arbeiten. Inhalte, die am Bedarf der Teilnehmenden vorbeigehen. Strukturen, die niemand mehr verteidigen kann — und die trotzdem niemand anfasst.

Man müsste so vieles einmal angehen. Und zwar richtig.

Was wir wirklich brauchen

Wir haben auf dem CLCamp viel über das Neue nachgedacht. Über KI, über Tools, über Formate. Aber je länger ich in diesen Gesprächen gesessen habe, desto klarer wurde mir: Das Neue allein hilft nicht, wenn es auf einem kaputten Fundament steht.

Wir brauchen nicht das nächste Tool, das wir obendrauf packen. Wir brauchen auch den Mut zum Abriss.

Es gibt einen Begriff dafür, den ich auf das CLCamp mitgebracht habe: Exnovation. Nicht Innovation, sondern das bewusste Beseitigen von Dingen, die nicht mehr funktionieren. Falsche Strukturen. Aufgeblähte Verwaltungen. Überholte Bildungsverständnisse.

Hier mein Bericht von der Session.

Was bleibt

Zwei Tage CLCamp26. Viele Gespräche. Eine Menge Erkenntnis.

Die Weiterbildungsszene, die sich hier trifft, ist nicht resigniert — aber sie ist realistisch. Sie weiß, was kommen muss. Sie weiß auch, dass es gerade stockt. Und sie macht weiter — mit dem Enthusiasmus derer, die nicht warten können, bis die Strukturen aufgeholt haben.

Das gibt mir Energie. Und gleichzeitig bleibt eine Frage hängen, die wir — als Branche, als Gesellschaft — dringend ernster nehmen müssen:

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