Nachdem wir bereits nach Kalifornien und China schauten, um zu sehen, wie deren Bildungssysteme auf die Corona-Zeit reagierten, nehmen wir jetzt Mexiko in den Blick.
Dort hat die Regierung beschlossen, die Schulen mindestens bis Ende des Jahres komplett geschlossen zu halten. Stattdessen werden die Unterrichtsinhalte per Fernsehen und Radio übertragen. An 7 Tagen die Woche rund um die Uhr strahlen verschiedene Fernseh- und Radiostationen die Inhalte zeitversetzt für die verschiedenen Altersstufen aus. Das ist eine logistische Herausforderung, vor allem im Hinterland.
“Wir haben 640 Programme geplant, verteilt auf 18 Radiostationen in 15 Staaten des Landes”, sagte er und fügte hinzu, dass viele davon in indigenen Sprachen aufgenommen sind, die in verschiedenen Regionen einzigartig sind.
So finden sich Lehrer*innen nunmehr im TV- oder Radio-Studio wieder und versuchen von dort aus, sich im klassischen Frontalunterricht für Millionen Kinder einzusetzen. Diese sitzen zu Hause und sind darauf angewiesen, von ihren Eltern bei Nachfragen Unterstützung zu erhalten. Lernfortschritte sind ohne interaktive Beteiligung nicht möglich zu erheben seitens der Bildungsanbieter. Man kann nur hoffen, die Kiddies unterstützen sich wechselseitig.
Das wird die Ungleichheit im “Zugang zur Bildung” erheblich forcieren. Gleichzeitig wird man nach Corona erkennen, ob dieses gewaltige Experiment das peer-to-peer-Lernen fördert und die Kiddies vielleicht gerade aufgrund der ungewöhnlichen Situation eine gewisse Selbstlernkompetenz ausprägen. Dazu wäre es hilfreich, sie beschallen die Schüler*innen nicht nur mit prüfungsrelevantem Stoff, sondern zeigen ihnen via TV oder Radio, wie man sich den Tag strukturiert, wie man vielfältig lernen und wie man ein zufriedenes Leben führen kann, auch wenn es manchmal etwas einsam sein kann ohne Outgoing …
Artikel am 27. August 2020 erschienen auf Piqd als Hinweis auf den CNN-Bericht Mexico’s solution to the Covid-19 educational crisis: Put school on television