KI im Arbeitsmarkt: Lektionen aus dem Journalismus

Eine Zusammenfassung des Live-Online-Events am 3. April 2024

Am 3. April trafen wir uns zu einer Live-Session mit Yvonne Pöppelbaum von tactile.news. Moderiert wurde die Session von Nicole, die zunächst alle begrüßte und die Videokonferenz in unseren Denkraum KI-Kompass kurz einordnete. 

Medienwandel im KI-Zeitalter

Anschließend gab Anja eine kurze Einführung, um den Wandel des Journalismus in den größeren Kontext der digitalen Transformation einzuordnen. Künstliche Intelligenz könnte möglicherweise die prägende Basisinnovation für zukünftige wirtschaftliche Trendentwicklungen sein. Und damit die gesamte Volkswirtschaft weltweit verändern und neu ausrichten.

Zudem: Wenn wir uns die historische Entwicklung der digitalen Transformation der Medien im Unterhaltungssegment

Mediengeschichte von HBO über DVD, CD bis hin zu Streamingdiensten

und im Nachrichtenbereich

Mediengeschichte von News-Plattformen, Blogosphäre über Social Media bis heute zu KI im Newsroom

vor Augen führen, könnte es durchaus sein, dass wir am Ende des Social-Media-Zeitalters “as we know it” angelangt sind.

Denn das “Zeitalter der synthetischen sozialen Medien” hat begonnen – Inhalte und Interaktionen in sozialen Medien werden in Zukunft zunehmend künstlich durch KI generiert. Und das wird unsere Demokratie auf die Probe stellen.

Auch die Veränderungen am Arbeitsmarkt werden erheblich sein – und ständiges Weiterlernen essenziell. Welche Erfahrungen dabei im Journalismus gemacht wurden und wie man damit umgehen kann, berichtete uns Yvonne. Und nun lassen wir uns von Perplexity.ai und ChatGPT im interaktiven Wandel mit unseren manuellen Fragestellungen helfen, die Session zusammenzufassen.

Wandel des Journalismus

  • Der Journalismus befindet sich in einem Umbruch durch die Entwicklung der generativen KI. Viele Stellen werden gestrichen und Inhalte zunehmend automatisiert erstellt. So zeigte Yvonne anhand des Beispiels eines Rezepthefts von Burda, das für 2,99 € verkauft wurde, ohne dass die Rezepte getestet wurden, wie sich der Journalismus durch KI verändern wird. Solche automatisierten Inhalte ohne menschliche Qualitätskontrolle werden zunehmen – und können zum Shitstorm führen. Schließlich wurde der Chefredakteur vom Verlag gekündigt.
  • Yvonne betonte, dass Vertrauen und Communities für Medien in Zukunft noch wichtiger werden. Ein Zitat dazu lautet:

“There is greater trust in this network and the creation of communities is one of our key priorities.”

  • Wichtig ist, dass JournalistInnen weiterhin für Vertrauen und Orientierung sorgen, indem sie Desinformation erkennen und einordnen. Dafür braucht es Weiterbildung.
  • Als Handlungsempfehlung für JournalistInnen nennt sie “anschauen, ausprobieren, experimentieren”. Dazu zeigt sie Beispiele von Experimenten mit KI, die ihre Agentur durchgeführt hat, z.B. Titelseiten von Lokalzeitungen mit KI erstellen oder mit Gemälden im Museum “sprechen”.
  • Zentral ist laut Yvonne, sich auf die Nutzerbedürfnisse zu konzentrieren und passende Angebote zu machen, z.B. Messenger-Magazine für bestimmte Communities. Dafür braucht es eine genaue Analyse der Zielgruppe anhand von Modellen wie dem “User Needs Model”.
  • KI kann den Journalismus in vielen Bereichen unterstützen, z.B. bei der Recherche, Personalisierung, Übersetzung und interaktivem Storytelling. Langfristig werden personalisierte Nachrichtenfeeds erwartet.
  • JournalistInnen sollten sich mit KI auseinandersetzen, experimentieren und sich auf die Nutzerbedürfnisse konzentrieren, z.B. durch zugeschnittene Messenger-Magazine für bestimmte Communities.
  • David demonstrierte anschließend kurz in einem schnellen Perplexity.AI-Durchlauf, wie man dieses Tool für die Recherche und Analyse größerer Dateien nutzen kann.
  • FAZIT: Erfahrungen aus dem Journalismus, der die digitale Transformation schon länger durchläuft, können auch anderen Branchen bei der Anpassung an KI helfen.

Was genau können nicht-journalistische Medienschaffende hier lernen?

Medienschaffende aus anderen Bereichen können wertvolle Lektionen vom Journalismus lernen, um ihre Sichtbarkeit zu erhöhen und ihre Produkte oder Dienstleistungen bekannter zu machen. Hier sind einige Schlüsselstrategien:

  • Storytelling: JournalistInnen wissen, wie man komplexe Inhalte in Geschichten verwandelt. Medienschaffende können diese Technik nutzen, um emotionale Verbindungen mit ihrem Publikum aufzubauen und ihre Botschaften einprägsam zu machen. Gute Geschichten bleiben haften und können die Markenbindung stärken.
  • Zielgruppenverständnis: JournalistInnen sind ExpertInnen darin, ihre Inhalte auf die Interessen und Bedürfnisse ihrer Leserschaft zuzuschneiden. Medienschaffende sollten ihre Zielgruppen genau analysieren und verstehen, welche Themen, Formate und Kanäle am besten geeignet sind, um diese effektiv anzusprechen.
  • Glaubwürdigkeit und Vertrauen aufbauen: JournalistInnen legen großen Wert auf Faktenprüfung und Quellenangaben, um ihre Glaubwürdigkeit zu wahren. Auch für Medienschaffende ist es essenziell, vertrauenswürdig zu kommunizieren und transparent zu sein. Dies schafft Vertrauen und stärkt die Beziehung zum Publikum.
  • Anpassungsfähigkeit und Innovation: Der Journalismus hat sich durch die digitale Transformation und Integration von Technologien wie KI stark verändert. Medienschaffende sollten ebenfalls offen für neue Technologien, Formate und Plattformen sein, um ihre Inhalte effektiv zu verbreiten und neue Publikumssegmente zu erreichen.
  • Interaktivität und Engagement: JournalistInnen nutzen vermehrt interaktive Elemente und Formate, um das Engagement der Leser zu erhöhen. Medienschaffende können ähnliche Techniken anwenden, um Dialoge zu fördern, Feedback zu sammeln und eine Community um ihre Marke aufzubauen.
  • Ethische Standards und soziale Verantwortung: Der Journalismus folgt ethischen Richtlinien, die die Integrität der Berichterstattung sicherstellen. Medienschaffende können diese Prinzipien übernehmen, um ihre soziale Verantwortung zu unterstreichen und positive Beiträge zu leisten.
  • Kontinuierliches Lernen und Anpassung: Der Journalismus steht ständig vor der Herausforderung, sich an die sich schnell ändernde Medienlandschaft anzupassen. Medienschaffende sollten ebenso bereit sein, kontinuierlich zu lernen, Trends zu folgen und ihre Strategien entsprechend anzupassen.

Durch die Übernahme dieser journalistischen Prinzipien und Techniken können Medienschaffende ihre Sichtbarkeit steigern, tiefer mit ihrem Publikum kommunizieren und letztendlich ihre Produkte oder Dienstleistungen erfolgreicher vermarkten.

Was unterscheidet die Content- und Medienarbeit im KI-Zeitalter wesentlich von der Zeit davor?

Vor dem Einfluss generativer KI lag der Fokus stärker auf:

  1. Manuelle Content-Erstellung durch menschliche AutorInnen und JournalistInnen, ohne Unterstützung durch KI-Tools.
  2. Betonung von Fachwissen, Kreativität und Urteilsvermögen der Content-ErstellerInnen als Alleinstellungsmerkmal.
  3. Traditionelle SEO-Methoden wie manuelle Keyword-Recherche und -Optimierung.
  4. Lineare, weniger personalisierte Content-Formate für ein breites Publikum.

Nach dem massiven Einfluss generativer KI geht es verstärkt um:

  1. Strategische Nutzung von KI-Tools zur Effizienzsteigerung bei Recherche, Content-Erstellung, Personalisierung und Optimierung.
  2. Kombination aus menschlicher Expertise und KI-Unterstützung, wobei KI eher ergänzend als ersetzend eingesetzt wird.
  3. Nutzung von KI für datenbasierte Content-Empfehlungen, Zielgruppenanalyse und automatisierte SEO-Optimierung.
  4. Erstellung maßgeschneiderter, interaktiver Content-Formate für Nischen und Communities mithilfe von KI.
  5. Kontinuierliche Weiterbildung von Content-Erstellern in KI-Technologien und Anpassung an neue Möglichkeiten.
  6. Stärkere Betonung von Vertrauensbildung, Transparenz und ethischem Einsatz von KI aufgrund von Risiken wie Desinformation.

Zusammengefasst hat generative KI den Fokus von rein manueller Arbeit hin zu einem KI-gestützten, datenbasierten und personalisierten Content-Marketing verschoben. Menschliche Fähigkeiten bleiben aber essenziell für die Qualitätssicherung und müssen durch KI-Expertise ergänzt werden.

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