Wozu ein Register
Dieses Register dokumentiert die eigene Ideenbiografie: jede aufgenommene These mit Datum, Originalzitat und Quelle, geprüft und aktualisiert. Revidierte und widerlegte Thesen stehen gleichberechtigt neben den eingetroffenen — ein dokumentierter, ehrlich bilanzierter Irrtum zählt hier mehr als zehn banale Treffer.
Wie zu lesen
These hat sich bestätigt, Richtung oder Mechanismus zeigen sich wie beschrieben.
These hat sich so nicht bestätigt — dokumentiert statt gelöscht.
Langjährige Forderung mit messbarem Stand, extern teilbestätigt.
Herkunftsnachweis einer eigenen Haltung, keine Prognose.
Richtung bestätigt, abschließendes Urteil steht noch aus.
Ein Kommentarfeld ergänzt Einträge, die sich nur teilweise bewährt haben — die Nuance steht im Text, nicht in einer eigenen Kategorie.
Früh gesagt
Jahre vor dem Konsens formuliert — der zeitliche Vorsprung ist der Beleg.
Position Ältester Eintrag des Registers. „U und E” steht für Unterhaltung und Ernst, analog zur deutschen U-/E-Kultur-Trennung. Die Absage an den bildungsbürgerlichen Ernst-Reflex im Lernen kehrt später als „Berufen statt zertifiziert” wieder. Quelle: früheres Web-Magazin eduContent, „Reflexionen Nr. 3 — Lassen Sie sich gerne was erzählen?”
Eingetreten These 3 nimmt die spätere OER-/MOOC-Bewegung vorweg — dieselbe Forderung-zum-Verfahren-Linie wie das spätere Exnovations-Audit und KI-Radar.
Eingetreten Thesenpark Nr. 1. Der klassische Identitäts-/Eigentumsbegriff als Blockade kollaborativer Praxis — vier Jahre vor der Netzwerkgesellschafts-These in UEBERflow.
Eingetreten Thesenpark Nr. 2. Die konkreteste, meistzitierte Formel der Reihe — frühe Beobachtung zur Partizipationsschieflage.
Eingetreten Formuliert während der Teilnahme am ersten großen Connectivism-Kurs (CCK08, Siemens/Downes). Filter-/Kuratierkompetenz ist heute etablierter Kern von Netzkompetenz-Rahmenwerken, direkte Linie zu „Die Modelle lernen, den Menschen zu verstehen” (2025).
Eingetreten Gegen den damals frischen „Digital Natives”-Hype gesetzt: die selbstverständliche Mediennutzung führt nicht automatisch zu partizipativer Kompetenz. Der „Second-Level Digital Divide” (Teilhabe statt Zugang) ist heute der etablierte Rahmen. Scharnier zwischen dem Zugangs-Divide von 2012 und dem Zugang zur KI-Urteilskraft von 2026.
Position In der Finanzkrise formuliert, als Konjunkturmittel in bestehende Schulgebäude statt in neue Lernformen flossen. Die Frage nach dem Kritik-Tabu für den Bildungssektor zieht sich bis zur heutigen „bescheinigen statt befähigen”-Diagnose durch.
Eingetreten Begriffsloser Vorläufer der späteren PLE-Definition — die eigene Frage, nicht das Medium, treibt den Lernprozess.
Eingetreten Reaktion auf die unibrennt-Proteste, positioniert gegen deren eigene Forderungen. Verweist selbst auf die CCK08-Teilnahme ein Jahr zuvor — dieselbe Erfahrung wie beim Filtering-Eintrag oben.
Forderung Zum Aufkommen des Cloud Computing formuliert, Jahre vor der DSGVO (2018) und der Debatte um digitale Souveränität. Teilweise eingelöst: die rechtlich durchsetzbare Datenkontrolle steht, die Anbieterabhängigkeit besteht fort. Früheste konkrete Fassung der Souveränitäts-Linie, die 2025 als „Kapazität statt Souveränität” wiederkehrt.
Position Workshop-Nachbereitung, Klub Dialog Bremen. „Souverän” steht hier als Programm für die Person, fünfzehn Jahre vor dem Buchtitel und lange bevor der Begriff zur Daten- und Standortpolitik-Floskel wurde. Die Nebenvorhersage zur Anonymität ist eingetreten.
Position Reaktion auf den Visionsummit 2011. Die spätere EdTech- und Nachhilfe-Industrie belegt das Muster: punktuelle Angebote wachsen, die Systemfrage bleibt, die Lückenfüller-Branche wird selbst zum Stabilisator. Schon zwei Jahre früher, zu Sofatutor (2009): solche Angebote versuchen „Lücken in einem Bildungssystem zu schliessen, die einer grundsätzlichen Infragestellung bedürfen”.
Position Reflexion eines eVideo-Kurses. Dieselbe Linie wie 2025 („Prompt Engineering wird zur Systemkompetenz, nicht zur Nutzerpflicht”), nur gegen die Web-2.0-Toolkurse statt die Prompt-Kurse gerichtet.
Eingetreten Vierzehn Jahre dieselbe Strukturthese an wechselndem Material: 2012 hieß der Gegenstand Digital Divide, 2026 ist es der Zugang zu KI-Urteilskraft. Im selben Jahr auf dem eduFuture-Blog als Forderung formuliert: „Internetzugang ist […] die wichtigste bildungspolitische Maßnahme, der wir uns als Weltgesellschaft stellen sollten.”
Eingetreten Vor Snowden formuliert. Plattformregulierung, Desinformationsdebatten und Souveränitätspolitik sind heute Regierungsprogramm.
Position Eigene Auswertung des amtlichen Bildungsberichts 2012. Vorform der Zertifikatskultur-Kritik von 2021, neun Jahre früher und direkt am Dokument geführt.
Eingetreten Acht Jahre vor der Gegenwart: 2026 schreibt GenAI den Code selbst, gefragt ist genau das ganzheitliche, urteilende Denken, das der Text damals gegen das Syntax-Lernen stellte — gegen den damaligen Mainstream „Coding for all”.
Eingetreten Mehrfach amtlich bestätigt: der Mittelabfluss blieb jahrelang hinter Plan, die Debatte um Digitalpakt II wiederholte die Diagnose.
Eingetreten Vor der GenAI-Welle formuliert. Arbeitsmarktpolarisierung ist heute empirischer Konsens, die KI-Welle verschärft sie in der Wissensarbeit.
Offen Langfristig angelegt, volle Prüfbarkeit erst über ganze Erwerbsbiografien hinweg — mit Zwischenbelegen (Berufswechselraten, Skills-based-Hiring-Daten) prüfbar.
Eingetreten Zunehmend bestätigt (Skills-based Hiring, WEF 2026), mit dokumentiertem Gegenläufer: Zertifikatsboom auf der Nachfrageseite bleibt bestehen.
Offen Drei Monate nach ChatGPT-Start formuliert, der früheste eigene KI-Ungleichheits-Marker. Richtung bestätigt, abschließend noch offen.
Eingetreten 2026 gibt es faktisch keine KI-freie Branche mehr — inzwischen Mainstream-Aussage.
Schnell bestätigt
Nicht früh im Datum, sondern schnell extern bestätigt — die Pointe ist die Kalibrierungsschärfe, nicht der zeitliche Vorsprung.
Eingetreten Weitgehend eingetreten: KI-Flut in den Feeds, Authentizitätskrise, Plattform-Erosion 2025/26 — früh und vor dem Mainstream-Diskurs formuliert.
Eingetreten Zwölf Monate bis zur externen Bestätigung: Im Juni 2026 druckt das WEF/Accenture-Playbook „judgment becomes the differentiator” — derselbe Gedanke.
Eingetreten Gegen den damals boomenden Prompt-Kurs-Markt formuliert, kurz darauf durch die eigene Marktbeobachtung (Rückkehr zu Grundlagenkursen) bestätigt.
Eingetreten Fünf Monate später von Anthropic-/ILO-Daten präzise getroffen: „Die am stärksten betroffenen ArbeitnehmerInnen sind mit fast 16 Prozentpunkten höherer Wahrscheinlichkeit weiblich, gut ausgebildet und im Schnitt 43 Jahre alt.”
Eingetreten Sechs Monate bis zur externen Bestätigung: Die US-Regierung schaltet ein Frontier-Modell weltweit ab — Realbeleg für eine zuvor rein begriffliche These.
Forderung eingelöst
Keine Prognose, sondern eine Forderung an das System — Jahre später vom eigenen Institut selbst eingelöst.
Forderung Zehn Jahre von der Forderung zum eigenen Verfahren: Exnovations-Audit, KI-Radar und Lagebild lösen 2026 ein, was 2016 nur gefordert war.
Forderung Frankreich hat mit dem CPF samt App die Machbarkeit belegt. In Deutschland zehn Jahre lang angekündigt (Weißbuch Arbeiten 4.0, SPD-Wahlprogramm, „Lebenschancen-BAföG”), nicht umgesetzt.
Ehrliche Irrtümer
Zwei Thesen aus demselben Manifest, zwölf Jahre alt, dieselbe Überdehnung — bewusst als Paar gezeigt statt einzeln versteckt.
Widerlegt Für den deutschsprachigen Raum nicht eingetreten, Frist 2026 abgelaufen — Hochschulen und Träger ökonomisch intakt. In den USA partiell sichtbar (College-Krise, Demografie).
Widerlegt 2026: duale Ausbildung und Hochschulen institutionell intakt. Offen bleibt die Funktionsfrage — KI übernimmt zunehmend den Lern-Layer.
Eingetreten Richtung seit 2023 sichtbar: GenAI erreicht exakt die Wissensarbeit, nicht die Fabrik.
Widerlegt Größenordnung nach der damals kursierenden Frey/Osborne-Lesart überzeichnet. Die Richtung trug: Seit 2023 erreicht die Automatisierung tatsächlich die Wissensarbeit.
Widerlegt In der Frist widerlegt: IPMA-Zertifizierungen boomen, während KI-Agenten Wissensarbeit übernehmen — der Markt kauft weiter Abschlüsse, gerade in der Verunsicherung.
Widerlegt Der apodiktische Schlusssatz wiederholt die Überdehnung von T07 — fünf Jahre später kaufen Verunsicherte erst recht Zertifikate.
Widerlegt Mechanisch widerlegt: das Berufsbildungsvalidierungsgesetz (seit 01.01.2025) und die erste DQR-Zuordnung einer nicht-formalen Qualifikation — „Betriebswirt (VWA)”, DQR-Niveau 6, Gremienbeschluss 25.04.2024.
Eine Spannung, aufgelöst statt versteckt
Position Gegenkonsens gegen den eigenen Markt formuliert, wissenschaftlich unterfüttert.
Position Vier Monate nach der Future-Skills-Kritik ein eigenes Framework — kein Widerspruch: Ein Framework ist kein Kompetenzkatalog, sondern zeigt differenzierte Ebenen einer Haltung auf, keine Liste einzeln trainierbarer Skills.
Institutionelle Stimme
Eingetreten Gartner 10/2025: 88 % der HR-Leitungen ohne messbaren KI-Geschäftswert. Eigener Radar-Befund 05/2026 bestätigt die Diagnose.
Das Register ist FF, nicht nur Anja Wagner allein — „eine Stimme, zwei Rollen” gilt auch hier.
Offene Erwartungen
„Ab 2027 keine graduelle Entwicklung mehr: entweder KI-Kompetenz integriert und Erfahrung als strategischer Vorteil sichtbar gemacht, oder das eigene Berufsfeld schrumpft weiter — man ist noch darin.”
„Je besser die KI-Politik funktioniert, desto schneller veraltet die aktuelle Rentenreform — ihr fehlen die eingebauten Nachjustierungs-Mechanismen, die sie bräuchte.”
„Nicht nur Routinetätigkeiten, auch komplexe kognitive Aufgaben werden automatisiert — der Fachkräftemangel wächst trotzdem weiter, weil sich die Machtbalance zwischen Arbeitgeber- und Arbeitnehmerseite verschiebt.”
Wächst monatlich über das KI-Radar-Briefing — ein bis zwei neue Erwartungen mit Verfallsdatum.