Auswirkungen von KI auf den Rechtsbereich

Ein Gespräch mit Wolfgang Berger über Chancen wie Risiken einer Delegation von Rechtsfragen an die KI

Das Skript von Wolfgang Berger

Für die Online-Session selbst generierten wir aus dem Textimpuls eine grafische Mindmap, die einen guten Überblick über die angesprochenen Punkte liefert.

Mindmap des Textimpulses

Im Anschluss ließen wir uns in der Online-Session einzelne Punkte von Wolfgang Berger ausführlicher erläutern. Und diskutierten mit ihm, um selbst einen Eindruck zu gewinnen, was und wie traditionelle Rechtsberufe von KI beeinflusst werden – und mit welchen Skills bzw. Zukunftsaussichten solchermaßen geschulte Personen sich auseinandersetzen sollten. Das Gespräch haben wir aus dem Audiotranskript mit Perplexity zusammenfassen lassen.

Unser Online-Gespräch am 4. Juli 2024

Veränderungen in der Rechtsbranche

  • KI wird vor allem bei standardisierten Verfahren und Massengeschäften eingesetzt werden. Schätzungsweise könnten bis zu 96% der juristischen Aktivitäten Standardfälle sein, die potenziell von KI bearbeitet werden können.
  • Große Anwaltskanzleien und Wirtschaftsprüfungsgesellschaften setzen bereits verstärkt auf KI-Unterstützung. Sie investieren in KI-Systeme, um Effizienz zu steigern und Kosten zu senken.
  • Kleinere Anwaltskanzleien und Einzelanwälte könnten unter Druck geraten, da viele ihrer Dienstleistungen durch KI-gestützte Lösungen ersetzt werden könnten. Besonders betroffen sind Bereiche wie Inkasso oder einfache Rechtsberatung.
  • Spezialisierte AnwältInnen in Nischenbereichen werden weiterhin gefragt sein, da ihre Expertise schwerer durch KI zu ersetzen ist.

Grenzen des KI-Einsatzes

  • Komplexe Rechtsfragen und Entscheidungen erfordern weiterhin menschliches Urteilsvermögen. KI kann zwar Informationen bereitstellen, aber die finale Bewertung und Entscheidung muss oft durch Menschen erfolgen.
  • Ethische Fragen und Glaubwürdigkeitsbeurteilungen können nicht von KI übernommen werden. Die Einschätzung der Glaubwürdigkeit von Zeugen oder Parteien bleibt eine zentrale menschliche Aufgabe.
  • Der “menschliche Aspekt” bleibt in vielen Rechtsbereichen unverzichtbar, besonders in sensiblen Bereichen wie Familienrecht oder bei der Beurteilung von Zeugenaussagen.

Veränderung des Rechtssystems

  • Es gibt eine Tendenz zur Angleichung an das amerikanische Rechtssystem, besonders im internationalen Wirtschaftsrecht.
  • Verträge werden umfangreicher und detaillierter, da das amerikanische System alles schriftlich fixiert haben möchte, im Gegensatz zum abstrakteren europäischen Recht.
  • Die internationale Schiedsgerichtsbarkeit folgt bereits weitgehend angloamerikanischen Mustern.

Herausforderungen und Chancen

Für JuristInnen

  • Notwendigkeit der Spezialisierung und Weiterbildung im KI-Bereich. JuristInnen müssen lernen, mit KI-Tools umzugehen und deren Ergebnisse kritisch zu bewerten.
  • Fokus auf beratende Tätigkeiten und komplexe Rechtsfälle, die nicht leicht durch KI zu bearbeiten sind.
  • Umgang mit KI-gestützten Rechtsdatenbanken und -tools wird zur Grundkompetenz.

Für die Gesellschaft

  • Mögliche Verbesserung des Zugangs zu Rechtsdienstleistungen durch kostengünstigere KI-gestützte Lösungen.
  • Risiko der Übernahme von Vorurteilen in KI-Systeme, wenn diese nicht sorgfältig entwickelt und überwacht werden.
  • Notwendigkeit der kritischen Auseinandersetzung mit KI-gestützten Rechtsentscheidungen und deren Grundlagen.

Ausblick

  • Zunehmende Bedeutung von KI in standardisierten Rechtsverfahren, besonders in Bereichen wie Vertragsrecht oder einfachen Rechtsfragen.
  • Weiterhin große Bedeutung menschlicher Expertise in komplexen Rechtsfragen, ethischen Entscheidungen und bei der Interpretation neuer Rechtssituationen.
  • Notwendigkeit der Anpassung von Gesetzen und juristischer Ausbildung an die KI-Entwicklung, um einen verantwortungsvollen und effektiven Einsatz von KI im Rechtswesen zu gewährleisten.
  • Mögliche Veränderungen in der Gesetzgebung, um KI-freundlichere und transparentere Gesetze zu schaffen, die leichter von KI-Systemen verarbeitet werden können.

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