Tag des Lernens und Lehrens 2023 an der Universität Freiburg

Eine der Keynotes zur “Hochschullehre der Zukunft – gesellschaftliche Chancen und Herausforderungen” im Rahmen des Tags des Lernens und Lehrens 2023 an der Universität Freiburg.

Vortragstitel

Hochschule der Zukunft? Eine Servicedienstleistung für die Gesellschaft!

Zusammenfassung im LinkedIn-Beitrag der Universität Freiburg

Dr. Anja C. Wagner Mitgründerin der digitalen Bildungsagentur Frolleinflow, berät seit vielen Jahren Hochschulen zu ihrer digitalen Transformation, entwickelt OER-Selbstlernmaterialien und ist als kreative Trendsetterin und „Bildungsquerulantin“ eine gefragte Rednerin. Den Fokus ihres Vortrags legte die Referentin auf die KI und neue Herausforderungen für die Gesellschaft und Individuen, aber auch Chancen, die sich daraus ergeben.

In einem Exkurs verschaffte Frau Wagner den Teilnehmenden zunächst einen Überblick darüber, wie alle bisherigen Technological Turns die (Wirtschafts-)Welt veränderten und weiter verändern werden. Die KI als Basistechnologie des 21. Jahrhunderts werde weitreichende Folgen haben für die humane Erwerbsarbeit und für die Gesellschaft im Ganzen, die bis hin zu ihren Sicherungssystemen und der Bildung neu gedacht und organisiert werden müsse. Demgegenüber stellte sie dar, wie Deutschland und die EU in Sachen Technologiewandel hinterherhinken. Um mit dem rasanten Entwicklungstempo Schritt zu halten, brauche man in Deutschland eine neue Mentalität und eine „resiliente Fehlerkultur und Experimentierfreudigkeit“. Den Schätzungen des World Economic Forums zufolge müssten sich weltweit bis 2030 1-1,5 Mrd. Erwerbstätige im Soft-Skills-Bereich radikal umschulen. Soft-Skills (z. B. digitale Kompetenzen) seien im Hinblick auf berufliche Chancen mittlerweile wichtiger als reine Hard-Skills (sprich Fachwissen).[1]

Wie drängende Herausforderungen und Technologien damaliger und heutiger Gesellschaften auch das Verständnis von (Hoch-)Schulbildung veränderten, sollte ein kurzer historischer Exkurs zeigen: Das herkömmliche Top-down-Bildungsverständnis stehe in einem „Battle“ mit den Bottom-up-Wissenstransfer-Ansätzen des Sozialen Lernens, z. B. in Dritten Plätzen, Crowd-Sourcing, Peer-to-Peer-Lernen, Lernen im Netzwerk, so Wagner.

Als Antwort auf die Fragen, welche Skills in der Arbeitswelt zukünftig gebraucht werden und wie die Hochschulen mit der generativen KI umgehen, zitierte Wagner zwei aktuelle Umfragen. Laut einer weltweiten Umfrage der Top 100 Tools for Learning 2023 stieg ChatGPT bereits nach YouTube, Google Search und Microsoftteams auf den vierten Platz[2]. Einer Blitzumfrage im Auftrag des Hochschulforums Digitalisierung in seiner Community[3] zufolge sei Chat-GPT im Hochschulalltag zwar längst angekommen, aber noch zu wenige Hochschulen böten unterstützende Regulierung oder Hilfestellungen zur generativen KI, geschweige den Zugang zu ChatGPT-Lizenzen.

Im „Future Skills Turn“, der Kompetenzwende, die sich bereits heute vollziehe, brauche es überzeugende Zukunftskonzepte für die Hochschulbildung. In diesen stehe dann nicht mehr die Funktion des Wissenstransfers im Mittelpunkt, sondern die Unterstützung der Studierenden bei der Entwicklung von Future Skills[4]. „Future Skills sind Kompetenzen, die es Individuen erlauben, in hochemergenten Handlungskontexten selbst organisiert komplexe Probleme zu lösen und (erfolgreich) handlungsfähig zu sein”[5]. Neben Wissenserwerb seien die Reflexion von Werthaltungen und die Entwicklung von Fähigkeiten bedeutend[6].

Spätestens wenn Künstliche Intelligenz menschliches Personal substituiere und wir nicht oder nur noch wenig erwerblich tätig seien, stünden die persönliche Entwicklung und Individualität des Menschen im Vordergrund. Dementsprechend werde es die Aufgabe des Bildungssystems sein, Persönlichkeiten zu bilden, Charaktere auszuprägen und Entwicklungsorientierung zu geben, so Wagner.


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Resümee: Bildung sei nicht nur eine Frage der begrenzten Ressourcen, Geld oder Zeit. Das Problem seien nicht die fehlenden Investitionen in die Bildung bundesweit, sondern der Wille, die vorhandenen Bildungsressourcen gesamtgesellschaftlich zu bündeln und umzugestalten, damit sie effizienter eingesetzt werden können. Das Internet biete als Lernraum seit über 30 Jahren derartige Synergiemöglichkeiten (z. B. OER), die man noch stärker nutzen könnte. Im Bereich des lebenslangen Lernens fehlen den meisten Hochschulen noch die Visionen und Konzepte, so Wagner.

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