Über die Chancen einer Reorganisation von Arbeit (as we know it)

Noch einmal ein Hinweis auf das letzte Davos-Meeting, hier in einer guten Zusammenfassung der wichtigsten Erkenntnisse. (Und weil es mir wichtig erscheint.)

1. Soziale Arbeitsplätze können eine widerstandsfähige Zukunft der Arbeit schaffen

Vermehrte Investitionen in Bildung, Gesundheit und Pflege könnten 

  • den globalen Motor der sozialen Mobilität wieder in Gang bringen,
  • den ungedeckten Bedarf an Gesundheitsversorgung und Kinderbetreuung decken,
  • die Qualität der Bildungssysteme verbessern
  • und (wie könnte es dort anders sein): „das Wachstum fördern“.

Jeder in diese sozialen Sektoren investierte Dollar könnte einen Multiplikatoreffekt von 2,3 in der Wirtschaft auslösen, so ein Whitepaper, das parallel zum Davos-Meeting veröffentlicht wurde (Berechnungen basierend auf der US-Ökonomie). 

Gut, jetzt lässt sich trefflich über den Wachstumsdiskurs diskutieren, aber in der Transformationsphase der nächsten 10 Jahre schadet eine schnellere Umdrehung vielleicht nicht. Denn diese bringt auf der anderen Seite einige soziale Gewinne mit sich. So ließe sich etwa der Gender Gap etwas besser schließen, erfolgt die Pflegearbeit doch bislang weitestgehend unbezahlt.

2. Mehr Frauen ins Berufsleben bringen

Die große Kündigungswelle hat die Diskrepanz noch größer werden lassen: Viele Frauen haben seit dem Corona-Zeitalter ihre Doppelbelastung und mangelnden Respekt in diesen Branchen erfahren – und sich auf die Suche nach besseren, flexibleren Jobs gemacht. Arbeitgeber*innen ist bewusst:

Obwohl Frauen höher qualifiziert und besser ausgebildet sind als Männer, sind sie zu 20 % unterrepräsentiert.

Ein neuer sozialer Vertrag muss her, dies ist vielen deutlich geworden.

3. Auswirkungen der digitalen Qualifikationslücke

Der Fachkräftemangel ist vielfach spürbar, auch mit Blick auf die entstehende Digitalökonomie, deren Funktionsfähigkeit erforderlich ist, um eine nachhaltige Wirtschaft aufzubauen.

Wenn wir über Elektrofahrzeuge sprechen, ist das digital, wenn wir über die Energiewende sprechen, sind wir in der digitalen Welt, wenn wir über den Übergang zu einer nachhaltigen Wirtschaft sprechen, wird all das von der Digitalisierung angetrieben. Es geht nicht nur um die Automatisierung von Prozessen, sondern um die Schaffung neuer Plattformen, neuer Geschäftsfelder, was die Nachfrage nach Technologien erhöht hat.

Und dafür braucht es geeignete Fachkräfte. Dies ist eine zentrale Herausforderung unserer Zeit: Wie können wir die Workforce sinnvoll re-skillen, ohne die Menschen zu gängeln und damit in die Depression zu treiben?!

4. Die Zukunft der Arbeit gestalten

Viele der Arbeitsplätze der Zukunft werden in der Energiewende begründet sein – und die Volkswirtschaften, die “die Logik der grünen Transformation nicht verstehen, werden zurückfallen”, so Schwedens Finanzminister Mikael Damberg.

Zugleich bräuchte es eine Re-Organisation der Arbeitswelt als solcher – inklusive neuer Führungsaufgaben, Recruiting-Prozesse und hybrider Arbeitsumgebungen. Hier müssen alle noch deutlich hinzulernen, um eine sinnvolle Grundlage für die Zukunft der Arbeit zu schaffen.


Artikel am 20. Juni 2022 erschienen auf piqd als Hinweis auf den WEF-Beitrag This is the future of work, according to experts at Davos 2022

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