Welche Volkshochschule braucht die Zukunft?

Letzte Woche war ich zur nachholenden Gründungsfeier der neu geschaffenen VHS Oberland eingeladen. Der Verein ist ein Zusammenschluss aus 5 (von 7) früheren VHS des Landkreises, die fusionierten. Und das sollte ordentlich gefeiert werden.

Mein Auftrag war es, in einem Vortrag grob zu umreißen, wie sich die VHSen angesichts des Wandels „der Bildung“ vor Ort positionieren könnten. Kein einfaches Unterfangen in Deutschland, das sich so schwertut mit innovativen Formen der Digitalisierung und lieber auf der sicheren Seite verharrt.

Dies war dann meine Outline für den Vortrag:

  1. Die Welt verändert sich aktuell radikal durch die Digitalisierung, die Herausforderungen der vielfältigen Krisen und der Kapitalismus-inhärenten Notwendigkeit des kontinuierlichen Wachstums in einer globalen Netzwerkgesellschaft.
  2. In der Folge verschieben sich die Anforderungen am Arbeitsmarkt, die Wertigkeiten der Menschen und die Bedeutung der Erwerbsarbeit geht mittelfristig zurück.
  3. Zwar werden viele Menschen im Erwerbstätigenalter auch zukünftig arbeiten, um ihren Lebensunterhalt zu finanzieren. Allerdings wird sich die Beschäftigtenstruktur verwandeln. Die Menschen müssen sich immer wieder den schnell wandelnden Digitalisierungsroutinen im Arbeitsleben anpassen – und viele Menschen werden sich depressiv aus diesem Prozess heraus nehmen, weil sie sich mit Veränderungen schwertun. Gleichwohl bleiben sie nicht verschont von „der Digitalisierung“, weil die Verwaltung und sämtliche sozialen Prozesse (Einkauf, Bank, soziale Beziehungen) über digitale Medien oder Werkzeuge laufen.
  4. Was die Menschen also benötigen, sind Anlaufstellen und Auffangstationen, die ihnen leichtfüßig die Vorteile aufzeigen, die die Digitalisierung auch für die Sinngestaltung neben der Erwerbsarbeit aufzeigen. Und ihnen Wege aufzeigen, wie sie Teil der digitalen Welt werden.
  5. Es schält sich also ein differenziertes Kompetenzmodell heraus, das wesentlich das Leben jenseits der Arbeit in den Blick nimmt und hier sinnvolle Gestaltungsmöglichkeiten aufzeigt. Hier sehe ich großes Potenzial für die VHSen: Niedrigschwellige, attraktive Angebote entwickeln, die vor Ort und vernetzt den Menschen über verschiedene Generationen hinweg eine lokale Kulturarbeit ermöglicht, in der sie gemeinsam überlegen, wie sie konkret leben wollen. Hier braucht es deutlich umfangreichere Programme als lediglich Medienkompetenz-Vermittlung.
  6. Nebenbei lernen Erwerbstätige über diese informelle Form auch wesentliche Kulturtechniken, die sie für die Arbeitswelt benötigen. 4K ist hier sicherlich ein Ansatz, allerdings verkürzt, neben anderen. Es braucht auch einige persönliche Fähigkeiten und soziale Fertigkeiten, die in der Menschheit bereits angelegt sind, die man aber manchmal auch erst einmal wieder hervorrufen muss. Ich zeige dann kurz unser Modell zur digitalen Intelligenz auf, das wir aktuell sukzessive veröffentlichen.

Hat Spaß gemacht in den Voralpen!

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