Über die Verwaltung der Kreativität

Der neue Essay von Wolf Lotter lief zwar schon gut durch die diversen Timelines der Fachcommunities. Aber um einen Beitrag zur weiteren Distribution zu leisten, empfehle ich den Artikel hier zur unbedingten Lektüre.

Es handelt von unserer gesellschaftlichen Organisation der Arbeitswelt, die von immer mehr Bullshit-Jobs geprägt ist, und die damit den wahrhaft Kreativen, also den wirklichen Problemlöser:innen im Weg stehen. Wir verwalten uns zu Tode, so ließe es sich zusammenfassen. Oder: Wir bürokratisieren uns in die Stagnation. Damit werden dringend erforderliche Lösungsansätze, die es erst zu entwickeln gilt, systematisch zermürbt. Bloß keine Veränderung! Und dennoch gibt es sie, die richtigen Kreativen.

Wofür steht Kreativität?

Kreative – das steht für Menschen, die bereit sind, Löcher zu graben, Lösungen zu erarbeiten, Probleme zu erkennen und aus der Welt zu schaffen, auch wenn das anstrengend ist. (…) Dabei geht es ums “Wollen, dass was weitergeht”. Wissensarbeit eben.

Und woran arbeitet die Bürokratie?

Die Bürokratie beherrscht auch die Wirtschaft, bis runter zum Kleinbetrieb, und zwar nicht nur als externe Bedrohung (das auch), sondern als hausgemachtes Übel. Es wimmelt nur so von Beauftragten und Zuständigen (m/w/d), die anderen die Welt erklären und die Regeln machen, während die immer verzagter versuchen, nur ihre Arbeit zu machen.

Das Problem heute: Die Neobürokratie

Das sind Berufsgruppen, die sich nach Lotter an die Kreativen dranhängen, um ein Wörtchen mitzureden: 

“Am Vormittag kommt die Rechtsabteilung, die Gleichbehandlungsbeauftragte, der Betriebsrat, am Nachmittag die Steuerberater, die Nachhaltigkeitsabteilung und die Agilitätsgruppe”, so klagte ein Vorstand eines großen deutschen Unternehmens. 

Kein Platz mehr für die „eigentliche Arbeit“. Wie konnte es dazu kommen? Es fehle an der notwendigen Grund- und Allgemeinbildung für die neuen Zeiten, so Lotter. Wir schaffen den Sprung nicht von der Industriegesellschaft in die „Wissensgesellschaft“, wie er die Zeitenwende nennt. Zwar hätten wir immer mehr formal ausgebildete Akademiker:innen, aber genau dies sei das soziale Problem: Sie möchten alle ein Wörtchen mitreden am Lauf der Dinge. Schließlich hatten sie dieses Ticket auf Empfehlung so gebucht.

Aber ihr Wissen ist altes Wissen, reproduziertes Wissen. Das ist das Problem! Daran verdienen nun einmal die Universitären, sind sie heute doch finanzgetriebene Institutionen. 

Dabei ist es der Triumph der Bürokraten, die die Hochschulen und das Studium so entwertet haben. Die, nicht wollen, dass was weitergeht, Fließbandbildung verkaufen, das von Fließbanddenkern verbreitet und durch ein bissl Moralisieren verhübscht wird. Das ist nicht originell, kreativ. Es ist das Gegenteil davon.

Und wie kommen wir zu einer Lösung?

Lest selbst den Artikel – und werdet in Muße wahrhaftig kreativ!


Artikel am 11. April 2022 erschienen auf piqd als Hinweis auf den Standard-Artikel Die Diktatur des Bürokratiats

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