Mehr Bildungsgerechtigkeit wagen – klappt wie?

Zum Abschluss des Internationalen Frauentages empfehle ich diese halbstündige Ausgabe der Bauerfeind-Show zur Evergreen-Frage: Was heißt heute Bildung?

Vorab: Die Frage wird nicht abschließend beantwortet, da hier lediglich auf die schulischen Säulen geblickt wird. Aber dies wirklich gut und unterhaltsam. Das liegt nicht zuletzt an den beiden Gästinnen: Marina Weisband und Diana Kinnert.

Beide sehr eloquent, sich gut ergänzend und zukunftsorientiert, wäre es wirklich hilfreich, wenn diese Sendung von vielen Zuschauer:innen auch und vor allem aus dem Nicht-Bildungssektor geschaut würde, um ein authentisches Gefühl zu entwickeln, was eigentlich verändert werden müsste und könnte im Schulsektor:

  • Was benötigen junge Menschen, um sich selbst entfalten und ihre Talente entdecken zu lernen? 
  • Und welcher Rahmenbedingungen bräuchte es, um dorthin zu gelangen? 

Viele gute Antworten zeigen sie in dieser Sendung gut verständlich auf.

Kompetenz-Framework

Einzig die angeführte Kompetenz-Grafik, die von der Redaktion der OECD zugeschrieben wird, stammt im Original vom legendären p21-Framework, das 2006 veröffentlicht wurde als Grundlage für die Fähigkeiten, die es für das 21. Jahrhundert bräuchte. Klar kann man deren Fokus auf die (kapitalistische) Erwerbsarbeit kritisieren. Aber ich selbst denke, es lässt sich einigermaßen gut mit diesem Framework arbeiten – es öffnete bereits sehr früh den Blick aller Bildungsinteressierten auf die vielfältigen Facetten eines modernen, auch digitalen (!) Lebens. Damit waren sie im US-amerikanischen Raum weit fortschrittlicher als in hiesigen Längengraden. Ich hatte hier dazu mehr geschrieben.

Kommunale Räume

Schließlich bringt Marina ein schönes neues Schlagwort ins Spiel: 

Die Volkshochkneipe

Auch ich denke, die zunehmend verlassenen Innenstädte ließen sich gut über flexible Bildungshäuser (die nicht so heißen dürfen) neu gestalten. Zur erquicklichen Unterhaltung und Vernetzung der jungen wie alten Bevölkerung, als außerschulischer Lernort ebenso wie als Anlaufpunkt für vielfältige Kurse, zivilgesellschaftliche Gruppen oder Makerspaces. 

Dies als “Kneipe” zu bezeichnen, wäre sicherlich ein Coup – dort finden sich zumindest die Deutschen sicherlich gerne immer wieder ein. Solange auf maximale Diversity gesetzt wird und weniger Angebots-Nachfrage-Denken vorherrscht, könnte hier ein neuer demokratischer Marktplatz der Ideen und Weiterentwicklung entstehen.

So utopisch wie es in Katrin Bauerfeinds Ohren klingt, ist dies gar nicht: In Lübeck hat die Stadt bereits das leere Karstadt-Gebäude gekauft und bringt dort zunächst Schulklassen unter, aber soweit mir berichtet wurde, sollen dort bald auch Hochschulabteilungen und sonstige Bildungsakteure einziehen. Es wäre ein erster Schritt in die richtige Richtung! 

Also, alles in allem: Große Empfehlung zur Ansicht dieses Videos in der Mediathek (verfügbar bis 13.10.2022). Es ist auch so erfrischend, drei dynamische Frauen im konstruktiven, unterhaltsamen Austausch zu erleben. Bitte mehr davon!


Artikel am 8. März 2022 erschienen auf piqd als Hinweis auf den WDR-Beitrag: Was heißt heute Bildung?

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