Schneller, höher, weiter, intelligenter: Mentaltraining & Resilienz

Wenn alle Top-Athlet*innen gut austrainiert sind, was gibt dann den letzten Ausschlag, wer unter gleichen Bedingungen gewinnt? Es ist letztlich der Kopf, das Mentale, die geistige Verfassung, die innere Haltung oder der allerletzte Wille – je nachdem, wie man es begreifen will.

In dieser beeindruckenden Dokumentation berichten sowohl Spitzensportler*innen als auch Mentaltrainer*innen von den Errungenschaften der Wissenschaft und die Übersetzung in die Praxis.

Was versteht man unter der mentalen Verfassung von Sportler:innen, und wie funktioniert sie? Mit welchen neuen Mitteln kann man sich mental besser rüsten, um seine Leistung zu steigern? Auf diese Fragen haben die Neurowissenschaften inzwischen viele Antworten. In den letzten Jahren arbeiteten immer mehr Athleten mit Mentaltrainer:innen zusammen. Dabei wird beispielsweise die Imaginationsfähigkeit der Sportler:innen ausgebaut, um ein erfolgreiches Visualisierungstraining zu gewährleisten.

So fasst es die Videobeschreibung zusammen. 

Dank des Mentaltrainings lernen die Sportler:innen, sich nicht ablenken zu lassen, Stress und Ängste abzubauen und die für Bestleistungen erforderliche Konzentration und Ausdauer zu erwerben.

Während ich mir die Doku anschaute, überlegte ich, was wir für “die Bildung” generell davon lernen können. Auch hier stehen in den großen Transformationsprozessen am Arbeitsmarkt viele Menschen unter dem Druck der ständigen Veränderungen. Die Change-Resistenz in deutschen Institutionen ist legendär. Was könnte man hier von den Neurowissenschaften lernen?

Ich recherchierte ein wenig und fand eine weiterführende Q&A zu Mentaltraining, Persönlichkeitsentwicklung & Selbstmotivation der Wirtschaftsakademie Wien auf YouTube, die vermutlich eher zufällig offen dort verfügbar ist. Dort gibt der Coach einen Tipp, wie man bei notwendigen Veränderungsprozessen wie z.B. der Digitalisierung, denen sich andere verweigern besser reagieren könne als mit Ungeduld: Denn deren Reaktion sei aller Wahrscheinlichkeit nach begründet in negativen Erfahrungen, die sie in der Vergangenheit mit ähnlichen Prozessen gemacht hätten. Hier gelte es, mit offenen, empathischen Fragen die Neugierde der Menschen wieder herauszukitzeln. Die Neugierde, dass sich durch die Veränderungen vielleicht doch etwas zum Besseren kehren könne.

Ich recherchierte weiter und gelangte zu dem TedX-Talk von Amy Morin zu The Secret of Becoming Mentally Strong, der bislang  unglaubliche 18 Mio. mal abgerufen wurde auf YouTube. Darin beschreibt sie eigene Erfahrungen und auch aus ihrer Praxis als Psychrotherapeutin. Offenbar lassen sich mit bestimmten Übungen negative Gewohnheiten und Routinen durchbrechen, die einen “Change” ermöglichen. Auch dieses Video empfehle ich ausdrücklich und wer wissen will, wie man sich die Untertitel in deutscher Sprache anzeigen lassen kann, kann diese Hilfestellung bei uns nutzen. 

Eine Ahnung, was Amy Morin empfiehlt, kann man ihrem Bestseller-Buch zu 13 Dinge, die mental starke Menschen NICHT tun: An alle, die sich heute besser fühlen möchten entnehmen:

  • Sie haben keine Zeit für Selbstmitleid
  • Sie geben Ihre Macht nicht ab
  • Sie haben keine Angst vor Veränderungen
  • Sie beharren nicht auf Dingen, die Sie nicht verändern können
  • Sie wollen es nicht allen recht machen
  • Sie scheuen keine kalkulierbaren Risiken
  • Sie leben nicht in der Vergangenheit
  • Sie machen nicht immer wieder denselben Fehler
  • Sie sind nicht neidisch auf den Erfolg anderer
  • Sie geben nicht nach einer Niederlage auf
  • Sie fürchten das Alleinsein nicht
  • Sie denken nicht, dass das Leben ihnen etwas schuldig ist
  • Sie erwarten keine unmittelbaren Ergebnisse

Angesichts der großen Belastungen durch die Corona-Krise, der digitalen Transformation und der Klimakrise für die Menschen, wird es höchste Zeit, dass wir uns gesamtgesellschaftlich eine bessere Resilienz erarbeiten, damit wir individuell besser mit den Veränderungen umgehen lernen. 

Der Politik kommt gleichwohl die Aufgabe zu, bessere Rahmenbedingungen zu schaffen, die die Angst vor dem Untergang abfedern helfen. Das wird nur mit guter sozio-ökonomischer Absicherung möglich sein. In diesem Sinne können wir alle von den Olympia-Sportler*innen gut lernen!

P.S. Dokumentation auf YouTube verfügbar bis zum 13.01.2022


Artikel am 25. Juli 2021 erschienen auf piqd als Hinweis auf die ARTE-Dokumentation Think Gold – Mentaltraining im Spitzensport

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