Visionen braucht das Land – endlich!

Die Pandemie, die offenbar kein Ende nehmen will, hat uns die Grenzen unserer aktuellen gesellschaftlichen Schwerpunktsetzung aufgezeigt. Zentrale öffentliche Sektoren wie das Gesundheits- und Bildungssystem sind hierzulande bis heute (!) nicht imstande, flexibel und zielführend auf die Situation zu reagieren. Das liegt nicht zuletzt im (neoliberalen) Glauben an die Kraft des privaten Marktes.

Ländern und Staaten, die in die Fähigkeiten ihrer öffentlichen Sektoren investiert haben, ist es dagegen viel besser ergangen. Am augenfälligsten war das in den Entwicklungsländern, wo Vietnam und der indische Bundesstaat Kerala herausragen.

Mariana Mazzucato, Professorin für Innovationsökonomie und eine langjährige Befürworterin des unternehmerischen Staates (hier auf piqd vielfältig angeführt) zeigt in diesem hier verlinkten Artikel auf, wie es auch “bei uns” besser gehen könnte.

Unternehmertum und Vermögensbildung sei demnach nicht die ausschließliche Domäne der Unternehmen, sondern der Staat müsse die Gestaltung der Märkte aktiv übernehmen. Gerade angesichts der Bewältigung der Klimakrise sei es dringend geboten, dass der Staat als Quelle der Wertschöpfung verstanden werde – und in dieser Rolle einen missionsorientierten Ansatz verfolge. Dabei könne man sich an dem Apollo-Programm von John F. Kennedy orientieren, dessen ambitionierte Mondmission letztlich zu diversen innovativen Abfallprodukten und damit zur Entstehung des Silicon Valleys mit seinen technologischen Durchbrüchen geführt habe.

Das Apollo-Programm hat gezeigt, wie ein klar definiertes Ergebnis durch multisektorale öffentlich-private Zusammenarbeit, missionsorientierte Beschaffungsverträge und eine vom Staat angetriebene Innovation und Risikoübernahme organisatorische Veränderungen auf allen Ebenen herbeiführen kann. Zudem bringen solche Unternehmungen tendenziell Nebenprodukte – wie Software, Handykameras oder Babynahrung – hervor, die einen weitreichenden Nutzen bieten.

Der Staat müsse also richtungweisende Erdmissionen für verschiedene Branchen definieren, die nur so sinnvoll zusammenspielen und smarte Gesamtlösungen für  die international bekannten Zieldefinitionen generieren.

So sollten wir etwa, um die 17 SDGs umzusetzen, jedes davon in klar abgesteckte Teilmissionen aufspalten, die den Boden für weitere multisektorale Innovationen von unten bereiten würden.

Dabei gelte es den aufmerksamen Blick nicht nur auf die Technologien, sondern auch auf die sozio-kulturellen Verhaltensfaktoren zu werfen, um öffentliche Institutionen, Zivilgesellschaft und Wirtschaft entlang einer umfassenden gemeinsamen Vision zu führen. 

Joe Biden scheint etwas Ähnliches für die USA vorzuschweben. Seine Regierung kann dabei auf gut finanzierte öffentliche Institutionen wie DARPA und National Institutes of Health zurückgreifen. Vielleicht gelingt der EU ja Vergleichbares, auch wenn wir uns in hiesigen Breitengraden eher schwertun mit weitreichenden Visionen für die Zukunft?! Wäre dies nicht ein guter Ansatzpunkt für eine positive, gesamtgesellschaftliche, globale Gamification als Attraktor*in für neue Zukünfte?


Artikel am 17. Februar 2021 erschienen auf Piqd als Hinweis auf den Project Syndicate-Artikel Von der Mondmission zu „Erdmissionen“

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