US-Führungsanspruch durch Top-Wissenschaft mit Ministerrang

Joe Biden hat mit dem Biologen Eric Lander einen neuen “Science Advisor” als Minister ernannt. 

Er soll auch helfen, neu zu definieren, welche Rolle die Wissenschaft künftig in den Vereinigten Staaten überhaupt spielen soll.

Dazu hat Biden ihm einen Brief geschrieben mit 5 zentralen Fragen zur Zukunft von Wissenschaft und Technologie, für die er sich Empfehlungen wünsche:

  • Wie kann seine Regierung Bedrohungen der öffentlichen Gesundheit bekämpfen?
  • Wie können sie die Auswirkungen des Klimawandels abmildern?
  • Wie kann das Land seine bisherige Stellung als Weltmarktführer im Bereich Innovation erhalten?
  • Wie können sie die Wissenschaft zur Verbesserung der sozialen Gerechtigkeit nutzen?
  • Und wie können die USA ihre forschenden Unternehmen stärken?

Gleich im ersten Satz des Briefes legt er den historischen Maßstab an, welche Bedeutung diesem Vorhaben beigemessen werde. 

Biden verweist auf Vannevar Bush, der einst von Präsident Franklin D. Roosevelt berufen wurde, als erster Science Advisor der Geschichte.Bush habe dazu beigetragen, den Amerikanern Ansehen und Wohlstand zu bescheren, seit 75 Jahren zehrten sie von seinem Erbe, heißt es sinngemäß in Bidens Brief.

Vannevar Bush gilt als Mythos der USA. Als MIT-Professor (wie Lander übrigens auch) erhielt auch er seinerzeit einen Brief mit Fragen zur Bearbeitung. Er schuf die National Science Foundation und legte den Grundstein für das US-besondere Netzwerk aus Universitäts-, Industrie- und Militärforschung. An der Entwicklung der Atombombe und der Radartechnik arbeitete er führend mit, die schließlich den Ausschlag gaben für den Sieg im Zweiten Weltkrieg. Damit rückte die amerikanische Forschung an die Weltspitze, die sie bis jetzt nicht mehr abgab. 

Auch für frühe Internet-Nerds ist Bush legendär, veröffentlichte er doch 1945 mit seinem Klassiker As we may think ein Memex-Konzept, das die Entwicklung des Personal Computers, des Hypertexts und des World Wide Webs zumindest inspirierte. Oder wie es in Wikipedia formuliert ist:

Viele Computer-Pioniere sahen rückblickend in Bushs Memex-Konzept den Ausgangspunkt der intuitiven Interaktion zwischen Mensch und (Rechen-)Maschine.

Insofern eine anspruchsvolle Aufgabe für Eric Lander, für die er aber wissenschaftlich gewappnet ist. So hat er das öffentliche Humangenomprojekt bis zur Fertigstellung eines ersten Entwurfs im Jahr 2001 mit geleitet. Im Jahr 2003 gründete er das Broad Institute, das an die Weltspitze der Genomforschung aufstieg. 

Er selbst sieht mit den staatlichen Forschungsanstrengungen in China den Führungsanspruch der Vereinigten Staaten in Gefahr. Warten wir ab, welche Empfehlungen er seiner Regierung reinreicht. Auf Twitter schrieb er bereits, dass zur Beantwortung der 5 Fragen alle Wissenschaftler*innen, Technolog*innen und die Öffentlichkeit zusammenarbeiten müssten. Ein kollaboratives Projekt also. Wird interessant sein zu beobachten!


Artikel am 12. Februar 2021 erschienen auf Piqd als Hinweis auf den Spiegel-Artikel Ein Querkopf soll dem US-Präsidenten die Wissenschaft erklären

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