Gute Idee: CoWorking-Flächen für CoLearning nutzen

Mit der Corona-Epidemie ist das Homeoffice endgültig in der Arbeitswelt der Wissensarbeiter:innen angekommen. Da allerdings viele Angestellte darauf nicht vorbereitet waren, wurde es vielen zu eng in der eigenen Bude. Und die sich eh entfaltende Coworking-Szene erhielt einen weiteren Anschub, dieses Mal vor allem in den ländlichen Regionen, aus denen viele Angestellte in die Städte pendelten. Das Coworking-Modell boomt und mit zunehmender Krisendauer kann man davon ausgehen, dass sich diese Alltagspraxis nachhaltig durchsetzt und die Menschen nicht mehr jeden (!) Tag ins Büro strömen müssen. 

Die Arbeitswelt wird also flexibler – nur die (Hoch-)Schulen drängen weiter darauf, möglichst schnell wieder in den Präsenzbetrieb durchstarten zu können. Logisch, Bildung ist auch ein Business, sei es nun öffentlich gefördert oder privat finanziert. Und gehaltvolle Bildungsprozesse brauchen auch (zufällige) Begegnungen und den Austausch mit Anderen. 

Isoliertes Bulimie-Lernen am eigenen Schreibtisch ohne Austausch und Reflexionskurven mit Menschen mag zwar dem kurzfristigen Multiple-Choice-Test genügen, nicht aber dem Aufbau einer kritischen Kompetenz, die sich selbstorganisiert immer weiterzuentwickeln vermag. Da aber in hiesigen Bildungsinstitutionen zumeist die Online-Lernkompetenz nicht ausgeprägt ist, sind viele überfordert mit einer Online-Lehre, die lediglich die alten Präsenzangebote in die virtuelle Welt verlängert. Daher kommt der laute Ruf nach dem Präsenzcampus. Es braucht eben das Social Learning von peer-to-peer und eine Kultur des Lernens, die selbstverständlich den aktuellen Status Quo definiert. Diese Kultur spiegelt sich im alltäglichen Diskurs und Habitus der handelnden Personen – oder eben nicht. Da viele Lehrende sich nicht in den informellen Bahnen der digitalen Welt zu bewegen wissen, entfaltet sich online keine selbstverständliche Lernkultur, die aber seitens der Lernenden benötigt würde, um das Gefühl zu haben, im Bildungswasser zu schwimmen.

In den USA kommt hinzu, dass die Studierenden mit ihren gezahlten (hohen) Gebühren den Zugang zum Präsenzcampus als Dreh- und Angelpunkt ihrer „Bildung“ meinen gekauft zu haben. In der Folge öffnete ca. ein Drittel aller Colleges ihren Campus wieder für den Winterbetrieb und die Infektionen vor Ort steigen entsprechend an (trotz aller Versuche, die Anzahl der Personen zu minimieren). Gleichwohl sind die Bemühungen hin zu einer adäquaten Online-Lehre sehr vielfältig gestartet. Und es kommt zu kreativen, transformativen Entwicklungen, wovon beispielsweise der verlinkte Artikel berichtet.

Da eine Vielzahl an WeWork-Coworking-Flächen derzeit ungenutzt ist, gibt es erste Kooperationen zwischen Online-Bildungsanbietern oder Universitäten mit WeWork, sodass Studierende deren Flächen für ihr Selbststudium nutzen können. Und gleichzeitig den Social-Learning-Aspekt besser leben können, da sie hier anderen Studierenden oder Menschen begegnen. 

Solch eine Entzerrung der physischen Räume über die Stadt hinweg entspricht einer transformativen Entwicklung, wie ich sie mir häufiger wünschen würde. Noch kurz vor dem Corona-„Lockdown“ sprach ich darüber mit Frank Eilers in seinem Arbeitsphilosophen-Podcast: CoLearning in der Stadt: Wie kreiert man eine Lernregion?  

Das ist ja das „Schöne“ an solch einer Krise: Auf einmal werden Möglichkeitsräume kreativ und kollaborativ genutzt und hoffentlich auch verstetigt. Dann ist wirklich etwas gewonnen für die Überlebenden.


Artikel am 16. September 2020 erschienen auf Piqd als Hinweis auf das EdSurge-Artikel WeWork Recently Sold Its Education Businesses. Now It’s Turning to Education for Business.

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