Google setzt auf dezentrale Inklusion & Vertrauen

Der Deutsche Frederik Pferdt ging vor 10 Jahren ins Silicon Valley, um für Google das Innovationsrad mitzudrehen. Jetzt leitet er bei Google ein Projekt, das zukünftige Arbeitsformen auslotet. 

Das Unternehmen ist bekannt für seinen vollumfänglichen Campus, den man theoretisch nie verlassen muss, weil von optimierten Arbeitsräumen über spektakuläre Mensen bis zum Friseursalon und diversen Freizeitaktivitäten alles vorrätig ist. Seit geraumer Zeit dreht sich aber auch dort der Wind. So ist Pferdt bereits vor Corona mit seiner Familie weggezogen vom Silicon Valley, um der Natur näher zu sein. (Darum dreht sich vorrangig der Artikel.)

Überhaupt ist Google ein internationales Unternehmen mit vielfältigen Arbeitsbeziehungen, sodass das Campus-Leben offenbar an Bedeutung verlor. Nun hat Google vor geraumer Zeit deklariert, die Corona-bedingte Homeoffice-Zeiten auszudehnen bis Frühjahr 2021. Und danach, davon kann man ausgehen, wird die Arbeit im Unternehmen gänzlich anders organisiert sein als vor Corona.

Was das für das Unternehmen in der Zukunft bedeutet, formuliert Pferdt wie folgt:

In die Zukunft kann niemand schauen. Aber man kann sie schon heute ausprobieren. Genauer gesagt, geht es auch nicht nur um das Arbeiten von zu Hause aus, sondern von überall her. Das ist eine weitere Dimension. Es geht nicht nur um den Ort. Sondern wie man eine Arbeitsatmosphäre schafft, die auch im virtuellen Raum Vertrauen erzeugt. Und dabei die unterschiedlichen Bedürfnisse im Team berücksichtigt. Jemand, der sich zu Hause einsam fühlt, nimmt vielleicht gern an einem weiteren Meeting teil. Jemand, der Kinder um sich hat, findet das eher nicht so toll. (…) 

Ich glaube nicht, dass Leute physisch zusammen sein müssen, damit Innovation entsteht. Nähe, oder vielmehr Vertrauen kann man auch anders schaffen. (…) 

Es ist eine wichtige Aufgabe für Führungskräfte, diese Inklusion sicherzustellen und das dazu nötige Vertrauen zu schaffen. Es ist aber auch wichtig, dass man Freiräume schafft und es nicht ausnutzt, indem man das Team mit ständigen Konferenzen überlastet.

Wenn Google diese Potenziale für sich positiv nutzen kann, sollten sich hiesige Führungskräfte auch davon inspirieren lassen und lernen, wie man zeitgemäß arbeitet. Präsenzmeetings oder -gespräche sind eben nicht besser als virtuelle Treffen. Es kommt eher darauf an, welche Arbeitsatmosphäre man schafft. Wir bewegen uns also weg von etablierten Standards und hin zu flexiblen Arbeitsabläufen, die je nach Projekt, Team und Aufgaben unterschiedlich ausschauen können. Viel CO2 sparen wir dadurch auch ein. Also zumindest auf dieser Ebene ermöglicht uns Corona eine positive Weiterentwicklung.


Artikel am 30. August 2020 erschienen auf Piqd als Hinweis auf das Wirtschaftswoche-Interview mit Fredrik Pferdt „Die Einstellung ist wichtig: Ich muss nicht von zu Hause arbeiten, sondern kann“

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