Endlich beruflich mit Social Media durchstarten

Da mich immer wieder Menschen im fortgeschrittenen Alter kontaktieren, die mit den sozialen Medien als Lern- und Arbeitsumgebung fremdeln, gleichzeitig aber wissen, dass sie sie benötigen, um sich beruflich neu ausrichten zu können, möchte ich hier eine schnelle Handreichung notieren.

Worum es hier gehen soll

Diese Einführung soll denjenigen dienen, die auf sich selbst gestellt sind, sich neu auszurichten für die kommende Zeit. Es scheint so zu sein, dass derzeit kaum eine Kontaktmöglichkeit zur Bundesagentur für Arbeit besteht, um sich einen Bildungsgutschein zu organisieren, obwohl ja jetzt genau die Zeit für Weiterbildung wäre, wenn man gerade keinen Job hat. Zum Glück ist dies kein allzu großes Problem, da wir ja das Internet haben. Wenn man weiß, wie und wo man starten kann.

Es soll im Folgenden darum gehen, sich grundlegend aufzustellen im Social Web. Nicht um Selbstmarketing um seiner selbst willen zu betreiben, sondern um sich gut zu positionieren für einen neuen, interessanten Job, der aufbaut auf den eigenen Erfahrungen der Vergangenheit.

Also, wie würde ich vorgehen, wenn ich in der Situation wäre?

Ohne die „Komfortzone“ zu verlassen, soviel sei vorab gesagt, wird es wohl kaum gehen. Auch wenn der Begriff abgelutscht ist, aber genau darum geht es: Ärmel hochkrempeln und für mindestens 1 Jahr auf maximale Lern-Arbeitszeit umstellen. Ihr habt kein Zeitbudget, weil ihr keine Finanzierung habt? Arbeitet irgendwas, um den Lebensunterhalt auf niedrigster Ebene zu finanzieren. Und nutzt jede freie Minute, um euch weiterzuentwickeln. Wann auch immer!

Kurze Anekdote am Rande

Irgendwann letzten Winter kam ich sehr spät abends am Bahnhof hier in Berlin an und nahm mir ein Taxi für die Heimfahrt. Darin saß ein Mann osteuropäischer Herkunft Mitte/ Ende 30, vielleicht auch Anfang 40, der am Lernen war mittels Podcast und Buch. Er erzählte, er habe sich entschieden, jetzt über den zweiten (oder dritten) Bildungsweg das Abitur nachzuholen, um dann endlich das zu studieren, wofür er sich schon immer interessierte. Da man offensichtlich tagsüber schneller zum Abschluss kommt als im Abendprogramm, fuhr er nachts Taxi. Er war voller Energie, Schaffensdrang und Zuversicht – hat mich nachhaltig beeindruckt, wie man sieht.

Aber man muss nicht immer diese alten formalen Wege gehen. Es geht auch anders!

Das Netz als Lernort begreifen

Im Netz gibt es zwischenzeitlich so viele gute Online-Materialien, dass man sich dort bequem weiterbilden kann. Aber wie findet man das, was man braucht? Man googelt nach geeigneten Suchbegriffen – oder nutzt eine andere Suchmaschine. Oder tippt in das Suchfeld ein: „Wie googelt man richtig?“ Vielleicht dauert es eine Weile, bis du den passenden Begriff oder Teilsatz gefunden hast, der dir weiter hilft. Aber irgendwann wirst du das Keyword gefunden haben.

Ich habe Spaßes halber „Personal Branding online course“ eingegeben und wurde damit gleich gut fündig für euch. Warum ich in englischer Sprache suchte? Es gibt zwar auch in Deutschland einige gute Kursportale, die kostenfreie Online-Kurse zum Selbststudium anbieten (z.B. oncampus der TH Lübeck, open.house von SAP/HPI). Aber im amerikanischen Raum existiert ein besseres Verständnis für die Sorgen und Nöten von selbstorganisierten Menschen, die sich weiter entwickeln wollen. Zudem gibt es mehr Auswahl an Online-Kursen, aus verschiedenen Gründen, auf die ich jetzt nicht eingehen will. Einen guten Überblick, was es alles gibt, findet man bei Classcentral.

Ach, english ist dir zu anstrengend? Mein Tipp: Learning by doing. Am besten lernt man bekanntlich, indem man es praktiziert. Und da english nunmal Lingua Franca im Internet ist, wäre dies ein guter Schritt in die richtige Richtung, you know 😉 Zudem gibt es zwischenzeitlich das Deepl-Übersetzungstool, mit dem man wunderbar gebrauchstauglich sich schnell schwierige Passagen übersetzen kann.

Wie sähe der 1. konkrete Schritt aus?

Gut, was ich im ersten Schritt empfehlen würde, wäre ein fundierter Online-Kurs zum Thema The Science of Success: What Researchers Know that You Should Know der University of Michigan. Das macht mir einen soliden Eindruck und da man solch ein Zertifikat nicht mehr braucht (erst recht nicht im hohen Alter), kann man diesen Kurs komplett kostenfrei durchlaufen.


Ggf. könnt ihr diesen Kurs auch mit Zertifikat umsonst ergattern, da Coursera die Covid-Phase zum Marketing nutzt.


Ihr wollt gar keinen „Erfolg“, weil ihr Karriere und so ablehnt? Ja, Erfolg kann man sehr unterschiedlich konnotieren. Hier das Ergebnis einer Straßenumfrage der University of Michigan:

Wie auch immer Ihr euch entscheidet: Nach 7 Wochen könntet ihr einen persönlichen Action Plan haben, welche nächsten Schritte ihr als nächstes gehen wollt. Das wäre doch ein guter Startpunkt für weitere Aktivitäten, oder?

Die Wochenthemen im Überblick:

  1. Introduction to the Science of Success: What Researchers Know that You Should Know
  2. The Power of Beliefs
  3. The Power of Expertise
  4. The Power of Self-Motivation
  5. The Power of Relationships
  6. The Power of a Plan: Creating Your Action Plan
  7. Your Personalized Action Plan

Spätestens in Woche 5 wird man vermutlich darüber nachdenken, wie man sich gute Netzwerke aufbaut, die einen inhaltlich wie menschlich weiterbringen. Und hier kommt Social Media ins Spiel – und zwar aus professioneller Perspektive. Schluss mit den ewigen Katzenvideos und Schenkelklopfern. Jetzt sehen wir das Netz nur noch als seriöse Lern- und Arbeitsumgebung.

So, und dann würde ich (an eurer Stelle) wieder in Classcentral suchen, z.B. zum Stichwort „Personal Brand“. Hier findet ihr das Suchergebnis und nun habt ihr die Qual der Wahl. Ich würde mir zunächst diesen Coursera-Kurs anschauen: Introduction to Personal Branding. Alternativ bzw. ergänzend würde ich bei Udemy nach oft abgerufenen und gut bewerteten Online-Kursen zum Thema schauen. Dieser hier: Personal Branding Mastery: The System To Reinvent Yourself! macht aktuell einen soliden Eindruck, auch wenn er ein paar wirklich wenige Euro kostet.

Unser TIPP

Der Vorteil von kostenlosen oder günstigen Kursen ist: Man muss diese nicht komplett durcharbeiten, sondern man pickt sich das heraus, was man genau braucht und in dem Moment weiterhilft. Völlig egal, ob man die Kurse abschließt, das ist wirklich von gar keinem Interesse.

Aber wichtig ist, dass ihr in einen New Work & Learn-Flow kommt, wie ihn Nicole vor 5 Jahren skizzierte und jetzt für ein anderes Projekt aktualisierte:

Was hat das mit dir zu tun?

Übersetzt auf eure persönliche strategische Positionierungsreise geht es darum, in diesen Loop zu gelangen:

  1. Klares persönliches (Teil-)Ziel definieren
  2. Professionelle Infos zusammentragen
  3. Notizen machen, die für euch wichtig sind
  4. Reflektieren, wie es euch eurem Ziel näher bringt
  5. Selbst aktiv werden und neugierig weiter gucken
  6. Vernetzen mit guten Leuten, die euch weiterbringen
  7. Mehrwert bringen für andere, so dass sie sich gerne mit dir austauschen
  8. Eitelkeit überwinden: Anzahl Follower oder Likes sagt Nullkommanull aus

Und dann wieder bei Punkt 1 starten und das nächste Teilziel angehen.

Ach, ihr braucht das alles nicht, weil ihr wisst, wo ihr hin wollt?

Eure Social-Media-Präsenz starten

LinkedIn

Um euch professionell als Netzwerkknoten aufzustellen, braucht ihr zum jetzigen Zeitpunkt einen eigenen, gut ausgefüllten LinkedIn-Auftritt. Wenn ihr das erstellt habt (kostenfrei!), baut ihr euch ein interessantes Netzwerk auf. Wie? Indem ihr Menschen, Unternehmen und Initiativen folgt, die für euer Themenfeld wirklich relevant sind. Nicht unbedingt dem Mainstream folgen, sondern vernetzt euch mit wirklichen Expert*innen, für die auch euer Content später interessant sein könnte.

Unser Tipp:

  • Verweist auf Links, die euch über den Weg gelaufen sind und kommentiert qualitativ bei anderen.
  • Arbeitet professionell und argumentiert sachorientiert.
  • Bitte kein fishing for compliments (oder gar Likes).

Du denkst, du bist bereits bei Xing registriert und das reicht? NEIN! LinkedIn ist die Zukunft für aktive Wissensarbeiter*innen, Xing (wenn überhaupt) nur was für Konsumierende.

Devise: Vernetze dich und zeige dich von deiner professionellen Seite. Nie schleimig, bittschön.

Podcast

Wenn ich neu starten müsste, würde ich neben dem LinkedIn-Auftritt umgehend einen thematischen Podcast starten zu meinem Thema. Das ist der einfachste Weg, um etwas Reichweite zu erhalten neben deiner direkten Netzwerkkontakte. Außerdem kommt man darüber an interessante Menschen heran, die man fragt, ob sie Zeit und Interesse hätten, kurz zu antworten. Zwar muss man sich vorab überlegen, was diese Personen davon haben könnten, einem zu antworten, aber wenn man es schafft, hier eine kleine Reichweite für das Nischenthema zu erzielen, dann ist die Kombi aus Podcasting und LinkedIn ein ideales Wechselspiel.

Devise: Lerne öffentlich von anderen. Kompakt, freundlich, herausfordernd!

Twitter

Ist dies geschafft, sollte man mit Twitter ernsthaft starten. Man braucht eine Weile, um rein zu kommen, aber mit qualitativem Content, der Vernetzung mit für dich interessanten Personen, die dir wirklich einen inhaltlichen Mehrwert bringen, ist viel gewonnen. Dies kann man über einen Like oder einen Kommentar unterfüttern. Dann gezielt deinen Content mit 1-2 relevanten Hashtags versehen und in die Netzwerke jagen. Nicht zu spammig, nicht zu dürftig. Einfach konsequent und mit einer Tonalität, die dir entspricht. Haltung wahren, Geduld üben, irgendwann sind es 100 Follower – und von da an geht’s bergauf!

Devise: Dran bleiben und Twitter als beste Lernumgebung lieben lernen.

About.me

Jetzt führen wir die 3 Zugänge zu einer Anlaufstelle zusammen. Um es zunächst einfach zu halten, sicherst du dir eine About.me-Seite und verlinkst von dort aus auf deine Kanäle. Die URL dieser Seite fügst du deinen sozialen Profilen hinzu, so dass jede*r von einem Kanal kommend auch zu deinen anderen Kanälen finden kann.


Fazit

Das ist für den Beginn absolut ausreichend und jetzt gilt es, in den Workflow zu kommen und einen Rhythmus zu finden.

Wenn da genügend Erfahrung gesammelt wurde und das regelmäßig fluppt, dann kann man daran gehen, eine Website über WordPress.com aufzusetzen oder über Medium ein Magazin zu starten oder in Instagram einen professionellen Kanal zu führen. Es kommt ja immer darauf an, wie und wo man sich positionieren will.

So, dies als schneller Tipp für den selbstorganisierten Einstieg. Über meine About.me-Seite findet ihr zu meinen sozialen Kanäle …

Alles Gute und viel Glück!

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