Krisenzeit = Kampf der alten gegen die neuen Welt

Milton Friedman, Vordenker des Neoliberalismus, ist bekannt für seinen 1982 getätigten Ausspruch:

Wenn die Krise eintritt, dann hängen die Reaktionen darauf von den Ideen ab, die verfügbar sind.

 Es gelte, 

Alternativen zur bestehenden politischen Praxis zu entwickeln, um sie lebendig und verfügbar zu halten, bis das politisch Unmögliche das politisch Unausweichliche wird.

Das ist seiner Theorie des Marktes als „unsichtbare Hand“ allumfassend geglückt. Nun scheint allerdings die schleichende Krise dieser Idee endgültig in der Apokalypse angekommen zu sein. Wie darauf hierzulande reagiert wird, demonstriert eben jenes politische Instrumentarium, das bis heute nicht dem 21. Jahrhundert gerecht wird. Nicht wie in Taiwan wird hier „smart“ auf die Herausforderungen reagiert, sondern es kam zum Einfrieren sämtlicher nicht notwendigen sozialen Kontakte im physischen, primär analogen, nationalen Raum. 

Gleichzeitig ermöglicht diese Beruhigung der nicht systemrelevanten Wissensarbeiter*innen eine Besinnung und Reflexion des vorherigen Wahnsinns. Allüberall hört man die Rufe, dass es keine Rückkehr in den destruktiven Modus geben kann. Es scheint unisono bei allen Menschen angekommen zu sein, dass es so nicht weitergehen konnte. Der Machtkampf hinter den Kulissen hat entsprechend längst begonnen zwischen denen, die wieder zur Vor-Vorzeit vor Corona zurückkehren wollen und denen, die seit Jahr(zehnt)en plausible Alternativen auf den Tisch legen.

Und tatsächlich sind die Ideen und Alternativen, von denen Friedman abstrakt spricht (und in anderer politischer und wirtschaftspolitischer Absicht), ja längst konkret vorhanden. Die Blaupausen einer anderen Gesellschaft sind da: Es geht dabei um eine andere Form von Markt, der nicht mehr auf Wachstum zielt, eine andere Form von Politik, Partizipation, Nachhaltigkeit, Energie, Konsum, Wachstum, Gesellschaft und Gemeinschaft. Es ist ein anderer Blick auf das Selbst, den Menschen in seinem Wesen.

Aber wofür steht Taiwan in diesem Kontext?

Es war ein digitales Denken, das sich hier gezeigt hat, eine Sicht auf Gesellschaft als etwas, das mit Daten entschlüsselt und verbessert werden kann, nicht im Sinne von Silicon Valley, sondern im Sinne der Zivilgesellschaft. Technologie, auch das macht die Krise deutlich, ist eben mehr als Algorithmen und Big Data, es ist auch eine andere Art zu denken und zu handeln.

Ein transparenter, dezentraler Staat, der auf der Zivilgesellschaft aufbaut statt im autoritären Denken verhaftet zu bleiben, das wäre das Ziel. Auch wenn sich mit dem Hackathon „WirvsVirus“ ein schönes Beispiel der dezentralen Öffnung und Dynamik vollzog, so werden die sich daraus ergebenden Projekte wieder im alten Duktus und Staatsapparat verwaltet. So wurde seitens der Jury bei der Auswahl der Top 20-Projekte die Bildungsprojekte von vornherein ausgeschlossen, weil in der Bildungspolitik bereits genug geschähe … ^^

Schöner moderner Artikel. Und das in der ZEIT. Vielleicht bringt die Krise ja doch noch einiges Gutes hervor?!


Artikel am 11. April 2020 erschienen auf Piqd als Hinweis auf den ZEIT-Artikel Corona. Das Neue ist längst da.

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