Vor dem Virus sind alle Menschen gleich – oder doch nicht?

Es entstehen derzeit viele Texte mit einer Einordnung, was „Covid 19“ mit uns als fragiler Gesellschaft macht. Einen der klügsten Artikel hat Anke Knopp vorgelegt. Sie zeigt auf, wie uns das Virus zwingt, immer granularer hinzuschauen, was gerade auf den verschiedenen Ebenen der gesellschaftlichen Entwicklung geschieht. 

Der „Mensch steht im Mittelpunkt“ aller Schutzbemühungen scheint hier eine besondere Bedeutung zu bekommen. Die trifft aber, so schrieb es schon Adorno, nicht zu, es ist lediglich eine Beruhigungsformel, denn der Mensch ist längst ein Objekt geworden, das es zu steuern gilt. 

Um diese Steuerung immer feingranularer zu ermöglichen, braucht es (smarte?) Technologien, die in die bislang beinhart verteidigten individuellen Grundrechte einschneidend hinein grätschen. Daten-Tracking, Roboter als Dienstleister, Gentestungen für die Sicherheit – kein Tabu ist derzeit tabu und fordert die demokratischen Gesellschaften massiv heraus. Zudem setzt die Politik neue Maßstäbe und zeigt uns plötzlich auf, was möglich ist, wenn der Druck hoch genug ist. Auch diese Lektion werden viele gesellschaftlichen Subjekte jetzt gelernt haben.

Wir folgen derzeit alle einer erstaunlichen Lernkurve, sind zu kleinen Hobby-Amateur-Virolog*innen und -Epidemiolog*innen mutiert – und Zukunftsforschenden, wie es denn nach der Epidemie weiter gehen könnte. 

Ein Virus macht uns allesamt zu Lernenden. Wir leben in einem lifetickenden Labor ohne Versuchsanleitung. Es wirkt, als säßen wir in einem interdisziplinären Proseminar (global, national, lokal). Und sind damit im besten Sinne auf dem Boden der Wissenschaften angekommen, mit Unsicherheiten. Im Denkbereich derer, die derzeit die Souffleure hinter der Akteursbühne sind. Wir laborieren, stellen Hypothesen auf, hinterfragen und argumentieren, setzen uns auseinander, um zu einem Schluss zu kommen, nicht selten auch zu Handlungsfähigkeit. Bisher waren wir sehr leidenschaftslos, wenn es um Antizipation geht, sagt Thomas Druyen. Antizipieren von Zukunft war nicht gefragt. Doch jetzt werden wir allesamt hineingespült in einen nie gekannten Experimentiermodus – die Ausnahme ist die Regel, das Ausloten von Möglichkeiten ist zur Notwendigkeit avanciert. Eigentlich ist das das Leben pur. Und was da zählt, ist eigentlich ganz simpel: der Mensch, er will überleben. Und seine Gattung gleichfalls. Dazu braucht es genau das: die Kleinen Dinge, die im Großen münden. 

Lest den ganzen Text! Es lohnt sich. Sind tolle Sprachbilder!


Artikel am 6. April 2020 erschienen auf Piqd als Hinweis auf den Mehr Digitale Kommunen-Artikel Virus hier – Wir als Gesellschaft dort – vom Kleinen und Großen

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