Wie fossile Ressourcen und Machismen zusammenhängen und „die Arbeit“ demokratiefördernd wirkt

Der russische Kulturwissenschaftler Alexander Etkind erklärt hier, wie es zusammengeht, dass Russland einerseits über unglaubliche Rohstoffreserven verfügt, andererseits große Teile der Bevölkerung an oder unterhalb der Armutsgrenze leben.

Dazu führt er in die politökonomischen Grundlagen ein, die es im Umkehrschluss auch allen Leser*innen ermöglichen, die Vorteile einer auf Arbeit beruhenden demokratischen Gesellschaft zu erkennen. 

Der Wirtschaftswissenschaftler und Politologe Michael Ross hat vier Besonderheiten von Einnahmen aus dem Ölgeschäft aufgeführt: Sie sind riesig (die Regierungsapparate in Ölstaaten sind um die Hälfte grösser als die ihrer Nachbarn, die über keine Ölvorkommen verfügen); ein grosser Teil des Haushalts hängt nicht von den Steuerleistungen der Bürger, sondern von direkten Einnahmen aus Staatsbesitz ab; diese Einnahmen wiederum sind instabil, weil sie vom Ölpreis auf den Weltmärkten und von den natürlichen Bedingungen abhängen; und schliesslich sind die Einnahmen intransparent und geheim. So kann sich die Elite optimal an Öleinnahmen bereichern. Aufgrund des geringen Arbeitsaufkommens sind Ölstaaten unabhängig von der Bevölkerung: Die wird nicht wirklich gebraucht, solange sie nur bitte keine Unruhe stiftet.

Unterstützt wird die Elite durch einen juristischen Sicherheitsapparat, der meist männlich durchsetzt ist, so daß eine „starre, fast schon ständische“ Gesellschaft entsteht, basierend auf zwei Klassen von Bürgern: die mit Zugang zu den (fossilen) Staatseinnahmen und die, die von der gnädigen Umverteilung abhängig sind.

Während Staaten, die Ressourcen importieren und diese über die Arbeitskraft ihrer Bevölkerung in Produkte überführen, darauf Steuern erheben, damit Infrastrukturen schaffen und Gelder nach unten durchsickern, schaffen ständische Ressourcenstaaten es nicht, das Kapital im Land zu halten.

Die Elite des ressourcenabhängigen Staates hortet ihre Guthaben in Staaten, die auf Arbeitskraft setzen. 

Da lebt übrigens auch Etkind.


Artikel am 25. Januar 2020 erschienen auf Piqd als Hinweis auf den Gastkommentar Bevölkerung: überflüssig – Russland leidet an der von seinen abgehobenen Eliten verhängten «Öl-Krankheit» in der NZZ

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