Bezahlte Qualifizierung nur für die „gute Erwerbsarbeit“ im Angestellten-Modus

Die Leier haben wir jetzt schon hoch und runter gehört: Nein, die Arbeit geht uns nicht aus. Zumindest nicht in den nächsten Jahren. Und ja, es wird viele Umschulungen und Weiterbildungen geben müssen. 

Das kostet Geld und wird bereitgestellt, wenn dies neuen Arbeitsplätzen zugutekommt. So lautet der Singsang der SPD, die sich als Vertreterin der angestellten Erwerbstätigen versteht. 

So sollen bald „Geringqualifizierte“ einen Anspruch auf Weiterbildung haben, damit sie eine Berufsausbildung erlangen. Und so sollen Angestellte aus Unternehmen, die sich umorientieren müssen, weitere finanzielle Unterstützungen möglichst innerhalb des bestehenden Betriebes erhalten, um möglichst wenig Arbeitslosigkeit zu produzieren.

So weit, so gut. Nur ist dies ein Arbeits- und Weiterbildungsverständnis aus den 1990er Jahren, das seitens der etablierten „Expert•innen“ im Expertenrat betriebliche Bildung auch weiterhin gepflegt wird. Sie kennen ja auch nichts anderes. So wird das von Beteiligten vor Ort mir geleakt. 

Und so wird die BA (wer auch sonst?) richtig viel Geld demnächst in das investieren, was dieses ganze alte Establishment für förderungswürdig im Sinne (non-)formaler Weiterbildung hält. 

Die Kosten für die Qualifizierungsoffensive trägt nach dem Entwurf vor allem die Bundesagentur für Arbeit. Deren finanzielle Zusatzbelastung steigt von 121 Millionen Euro im kommenden Jahr auf 672 Millionen Euro ab 2023.

Was mit denjenigen geschehen soll, die aus diesem Hamsterrad bereits rausgefallen sind oder demnächst werden? 

Ach ja, sie dürfen (vielleicht) auch eine normale Qualifizierung absolvieren über eine Transfergesellschaft. Und bekommen dann 3 Monate Aufschub, bis sie in Hartz IV landen. Na, toll. 

Von Transformation sind sie in der Politik allesamt weit entfernt. Dabei ließe sich das heute schon anders denken …


Artikel am 20. November 2019 erschienen auf Piqd als Hinweis auf den Handelsblatt-Artikel Heil-Vorhaben beschert der Arbeitsagentur Mehrausgaben von 700 Millionen Euro

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