Ruhestand heute noch pauschal mit 65? Macht das weiter Sinn?

Nein, findet der 75-jährige Ludwig Hasler, Philosoph und Publizist aus der Schweiz. Nur weil Otto von Bismarck diese Altersgrenze im 19. Jahrhundert für seine Sozialgesetzgebung zog, als die Lebenserwartung in Deutschland nur 70 Jahre betrug, müssen sich heute viele Rentner*innen jahrelang langweilen. Sie ruhen sich bald ein Drittel ihres Lebens aus – von den Mühen ihres beruflichen Lebens. Und dann plötzlich müssen sie all das nachholen, was sie in den Jahren ihres Normalarbeitsverhältnisses verpasst haben. 

Sie reisen, aber auf die Dauer ist das langweilig, sich immer wieder selbst zu begegnen irgendwo auf der Welt. Dann fühlt man sich plötzlich sinnlos in der Welt, hat aber weiter hohe Ansprüche an den Staat, derweil man unproduktiv in der Gesellschaft rumherläuft. Stattdessen gelte es, zu verstehen, dass man Glück nicht in sich selbst, sondern im Austausch mit anderen finde. 

Sie sollten das, was sie können, für andere brauchbar machen, so schlägt Hasler vor. Ihre Erfahrungen zur Verfügung stellen, nicht ihre Besserwisserei aus alten Tagen. Nur so entstünde Respekt vor dem Alter. Und Freude zudem. Schließlich gelte es, die Sharing-Kultur selbstorganisiert auch für das Alter zu organisieren:

„Für ein Alter, das noch was vorhat“, lautet der Titel Ihres neuen Buches. Was schlagen Sie vor?Die flächendeckende Verbreitung kommunaler Seniorenräte, sie organisieren nicht nur den Frühlingsausflug, sie vermitteln Fachkompetenzen. Unter uns Alten gibt es von jedem Schlag genug, Kräftige, Lustige, Köchinnen, Chauffeure, Informatiker. Wir sollen nicht alles an Profis delegieren. Wir können die Regie der Alterswelt selber in die Hand nehmen. So haben wir zu tun, werden gebraucht, können uns nützlich machen – kurz, wir bekommen wieder eine Bedeutung auch für andere. Was bekanntlich Sinn ergibt.


Artikel am 24. August 2019 erschienen auf Piqd als Hinweis auf den Tagblatt-Artikel Rauf mit Pensionsalter: «25 Jahre Ausruhen sind eine bescheuerte Perspektive»

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